Familie

Beschreibung: Die Familie befindet sich getrennt in der Mitte des Bildes. Die Mutter sitzt mit dem Kind zentral auf dem Bett, während der Vater links am Rand sitzt.

Alle blicken in die Kamera; der Vater hat einen leicht angehobenen Kopf mit kurzen Haaren, einen Schnurrbart und einen ernsten Blick. Er trägt eine dunkle Hose, welche über seinem Hemd mit Hosenträgern befestigt ist und weder Socken noch Schuhe.

Die Mutter ist teilweise von dem Kind verdeckt und trägt ein langes einfaches Kleid. Sie hat ihre Haare zusammengebunden und an ihren Füßen sind auch keine Schuhe oder Socken. Sie legt ihren Arm um das Kind, welches ein Langarmshirt unter einem Kurzarmshirt trägt und ein helles Tuch in der Hand hält.

Kulturgeschichtlicher Hintergrund: Ab dem späten Mittelalter war das christliche Leitbild einer Familie die „Haushaltsfamilie“. Der Mann übernahm die Führung im Haus und alle Familienmitglieder kümmerten sich gemeinsam um den Hof.

Zu der Familie gehörten neben Blutsverwandten auch Arbeitskräfte wie Mägde oder Knechte.1

Im 19. Jahrhundert löste sich die „Haushaltsfamilie“ in der Stadt größtenteils auf, da der Arbeits- und Wohnbereich durch die industrielle Revolution getrennt wurden. Es gab einen niedrigen Lebensstandard und die Wohnsituation war schlecht.

Auf dem Land blieben diese Lebensverhältnisse jedoch bestehen.

Während sich in bürgerlichen Familien die Mutter nur auf Kinder, Küche und Kirche beschränkte, musste jedes Mitglied einer Arbeiterfamilie arbeiten. Dies schloss auch Frauen und Kinder ab 10 Jahren ein.

Der Vater blieb auch in den städtischen Familien weiterhin das Familienoberhaupt. Er hatte geregelte Arbeitszeiten und einen festgelegten Feierabend. Die Arbeit im Haushalt überließ er der Frau und besuchte stattdessen abends Wirtshäuser, die er als Zentren der Kommunikation nutzte und das knappe Geld der Familie ausgab. Zudem konnte er es sich leisten, das Haus zu gesellschaftlichen Anlässen zu verlassen und sich öfter einen Anzug oder ein Paar Schuhe zu kaufen.

Die Mutter war nicht emanzipiert. Sie war aufgrund der Aufgaben im Haushalt an die Wohnung gebunden und deswegen blieb keine Zeit für Vergnügungen. Der Haushalt wurde von ihr organisiert und zusätzlich musste sie Nebentätigkeiten wie Nähen, Putzen, Waschen oder Kellnern nachgehen. Nach der ersten Schwangerschaft konnte sie dies allerdings nicht mehr tun. Weil dann aber das Geld fehlen würde, hatten viele Frauen Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft und trieben illegal ab. Dies übernahmen sogenannte „Engelmacherinnen“ unter unhygienischen Bedingungen. In der Wohnung herrschte ein ungesundes Klima. Daher war sie oft krank.

Die Kinder besuchten die Schule und mussten nebenbei arbeiten. Die Jungen übernahmen Aufgaben als Austräger, Kegelaufsetzer oder Schuhputzer. Die Mädchen hingegen halfen im Haushalt der bürgerlichen Familien oder passten auf ihre jüngeren Geschwister auf. Durchschnittlich hatte eine Familie zwei bis drei Kinder.

Deutung: Der Vater ist als das Familienoberhaupt der einzige Ernährer der Familie, da die Mutter bereits ein Kind bekommen hat und sich um dessen Erziehung kümmern muss. Außerdem ist das Kind wahrscheinlich noch nicht alt genug, um arbeiten zu gehen. Dies erklärt die gehobene Haltung des Vaters.

Es ist nicht auszuschließen, dass das Kind nicht das einzige bleibt. Die Familie bewohnt eine Wohnung, die ihren Lebensverhältnissen entspricht.

1 http://www.uni-giessen.de/~gk1165/seite/ebene1/familie.htm, Stand: 27.03.12 10:12