Wilhelm von Humboldt in seinem Arbeitszimmer, Anonymes Gemälde um 1830.- In: Theodor Pelster. Arbeitsbuch Deutsch. Literaturepochen: Klassik, München 1984, S. 29

Wilhelm Freiherr von Humboldt, (1767-1835), preußischer Politiker, Schulreformer, Sprachforscher und Philosoph. Er wurde am 22. Juni 1767 in Potsdam geboren und studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten von Frankfurt an der Oder, Göttingen, Weimar und Jena. Während und nach den Napoleonischen Kriegen stand er im preußischen Staatsdienst, reformierte als Erziehungsminister das preußische Schul- und Universitätswesen nach humanistischen Prinzipien und den sozialreformerisch-anthropologischen Ansätzen des Schweizer Reformpädagogen Johann Heinrich Pestalozzi. Humboldt gründete 1810 in Berlin die Universität. Von 1810 bis 1815 war er Botschafter in Wien und nahm am Wiener Kongress teil. Später war er Gesandter in London.

 

 

1819 quittierte der liberal gesinnte Humboldt den Dienst als preußischer Beamter und brachte damit seine Opposition gegen die repressive und reaktionäre Politik des Staatsapparates zum Ausdruck. Den Rest seines Lebens widmete er sich wissenschaftlichen Studien. Er war einer der ersten Gelehrten, die der Überzeugung waren, dass eine Sprache Kultur und Charakter ihrer Sprecher widerspiegele und dass sie im historischen und anthropologischen Zusammenhang untersucht werden sollte, und nahm damit bereits Erkenntnisse der modernen Linguistik vorweg. Seine linguistischen Studien erstreckten sich auf verschiedene Sprachen, darunter ostasiatische wie Chinesisch oder Japanisch und semitische Sprachen, aber auch Sanskrit, Ungarisch oder Ägyptisch. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen, aber auch grundsätzliche sprachtheoretische Überlegungen stellte er beispielsweise in einer „Abhandlung über die baskische Sprache" (1821) und in seinem sicherlich bekanntesten, groß angelegten Werk „Über die Kawi-Sprache auf der Insel Java" (1836-1840) dar. Humboldt verfasste neben seinen philologischen und sprachtheoretischen Untersuchungen auch Arbeiten zur Staatstheorie und übersetzte Werke der klassischen Antike aus dem Griechischen. Er pflegte auch einen Schriftwechsel mit Johann Wolfgang von Goethe, der 1876 veröffentlicht wurde. Wilhelm von Humboldt starb am 8. April 1835 in Tegel.

Wilhelm von Humboldt schreibt an Schiller:

Rom, 30. April 1803

Was Sie mir von Goethe schreiben, tut mir unendlich leid. Aber nach dem, was ich schon neulich in Weimar an ihm bemerkte, kommt es mir weniger unerwartet. Seine Art zu sein hat mich schon damals unendlich geschmerzt. Es ist eine Verstimmung, aus der sein Wesen, das schlechterdings mehr durch die Natur als den Vorsatz bestimmt wird, nur zufällig durch äußere Umstände oder irgendeine innere, in ihm aufsteigende Geistestätigkeit gerettet werden kann. Wenn Sie sehen, dass er wieder so einsiedlerisch wird, als Sie es mir schreiben, und dass Ihr Zusammensein doch verloren ist, so tun Sie alles, um ihn zu einer Reise, sei es hieher oder nach Paris, zu bestimmen. Zwar halte ich selbst den Erfolg für zweifelhaft. Allein es ist dann auch wenig zu verderben, und ich glaube doch immer, ein Aufenthalt hier täte ihm wohl. Es gibt in Weimar Lokalumstände, die Ihnen einfallen, ohne dass ich sie nenne, die übel auf ihn einwirken. Ich rechne hier am meisten auf die Entfernung von diesen und die Einsamkeit; viel auf das Land, die noch übrigen Kunstwerke und das günstige Vorurteil, das er einmal für Rom hat.

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