Schiller schreibt 1788 an Körner:

„Vieles, was mir jetzt noch interessant ist, was ich noch zu wünschen und zu hoffen habe, hat seine Epoche bei ihm durchlebt; er ist mir (an Jahren weniger als an Lebenserfahrungen und an Selbstentwicklung) so weit voraus, dass wir unterwegs nie mehr zusammenkommen werden; und sein ganzes Wesen ist schon vom Anfange her anders angelegt, als das meinige; seine Welt ist nicht die meinige.... Öfters um Goethe zu sein, würde mich unglücklich machen. Er hat auch gegen seine nächsten Freunde kein Moment der Ergießung. Er ist an Nichts zu fassen. Ich glaube in der Tat, er ist ein Egoist in ungewöhnlichem Grade. Er macht seine Existenz wohltätig kund, aber nur wie ein Gott, ohne sich selbst zu geben...

Dieser Mensch, dieser Goethe, ist mir einmal im Wege, und er erinnert mich so oft, dass das Schicksal mich hart behandelt hat. Wie leicht ward sein Genie von seinem Schicksal getragen, und wie muß ich bis auf diese Minute noch kämpfen. Aber ich habe noch guten Mut, und glaube an eine glückliche Revolution für die Zukunft."

Bei anderer Gelegenheit schreibt Schiller über Goethe:

"Goethes Philosophie holt zuviel aus der Sinnenwelt, wo ich aus der Seele hole (...) Öfters um Goethe zu sein, würde mich unglücklich machen; er hat auch gegen seine nächsten Freunde kein Moment der Ergießung, er ist an nichts zu fassen; ich glaube in der Tat, er ist ein Egoist in ungewöhnlichem Grade. Er besitzt das Talent, die Menschen zu fesseln, und durch kleine sowohl als große Attentionen sich verbindlich zu machen, aber sich selbst weiß er immer frei zu halten. (...) Ein solches Wesen sollte man nicht um sich herum aufkommen lassen. Mir ist er dadurch verhasst, ob ich gleich seinen Geist von ganzem Herzen liebe und groß von ihm denke. (...) Eine ganz sonderbare Mischung von Hass und Liebe ist es, die er in mir geweckt hat (...)."

Zurück