Lili Schönemann

Anna Elisabeth Schönemann

Goethes einzige Verlobte, und dies auch nur für einen Sommer. "Lili", aus wohlhabendem Frankfurter Bankiershause, ist sechzehn, als sie dem bereits berühmten Goethe im Januar 1775 bei einem von ihren Eltern veranstalteten Hauskonzert erstmals begegnet. Die 16-jährige Tochter des Hauses, Elisabeth (Lili) spielt auf dem Spinett. Man unterhält sich gut, und Goethe wird, obwohl nicht ganz standesgemäß, als kluger und amüsanter Unterhalter gerne wieder eingeladen. Eine Liebesaffäre entwickelt sich. Es werden Monate folgen, die von Leidenschaft und Verzweiflung, von Anziehung und Abstoßung geprägt sind. Obwohl schon Misstöne aufgetreten sind, verlobt sich Goethe Ostern 1775 mit Lili. Zu diesem Zeitpunkt empfindet er wahre Liebe und ist glücklich. Aber er spürt auch, dass die Sphäre der gehobenen Gesellschaft, in der Lili sich bewegt, sein Wesen nicht ausfüllt.

Die Liebe schien also zwar wie ein "coup de foudre"eine auf den ersten Blick, und zwar gegenseitig, jedoch oft angewidert schickt sich der Liebende in die ihm fremden und kaum zusagenden gesellschaftlichen Zwänge, um Lili fester an sich zu binden. Deren Eltern betrachteten freilich die Verbindung von Anfang an als nicht standesgemäß, äußerten aber schließlich gegen eine inoffizielle, formlose Verlobung ohne Ringwechsel keine Einwände. 
Mangelnde Entschlussraft und das quälende Gefühl von Bindungsunfähigkeit veranlassen Goethe schon im Herbst, ohne Lili noch einmal wiederzusehen, die Verlobung zu lösen.

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