Johann Wolfgang von Goethe, Kreidezeichnung von Johann Heinrich Lips 1791.- In: Thomas Kopfermann, Dietrich Steinbach, Epochenzentrum Weimar _ Jena, Leipzig 2002, S. 47

Goethe über das Publikum:

Ist die Vielseitigkeit des Schauspielers wünschenswert, so ist es die Vielseitigkeit des Publikums ebenso sehr. Das Theater wird so wie die übrige Welt durch herrschende Moden geplagt, die es von Zeit zu Zeit überströmen und dann wieder seicht lassen... Jede Direktion durchblättere ihre Repertorien... endlich einmal ein Repertorium aufzustellen, das man der Nachwelt überliefern könnte, müßte vor allen Dingen darauf ausgehen, die Denkweise des Publikums, das er vor sich hat, zur Vielseitigkeit zu bilden... Man sollte nicht gerade immer sich und sein nächstes Geistes-, Herzens- und Sinnesbedürfnis auf dem Theater zu befriedigen gedenken; man könnte sich vielmehr öfters wie einen Reisenden betrachten, der in fremden Orten und Gegenden, die er zu seiner Belehrung und Ergötzung besucht, nicht alle Bequemlichkeit findet, die er zu Hause seiner Individualität anzupassen Gelegenheit hatte.

Theaterprogramm in Weimar 1803

1. Januar: Wallensteins Lager (Schiller), Paläophron (Goethe)

19. Februar: Die Mohrin (Terenz, Einsiedel)

19. März: Die Braut von Messina (Schiller)

23. April: Die Jungfrau von Orléans (Schiller)

25. April: Clavigo (Goethe)

18. Mai: Der Neffe als Onkel (Picard, Schiller)

25. Mai: Die Jäger (Iffland)

6. Juni: Die Fremde aus Andros (Terenz, Einsiedel)

17. September: Die Jungfrau von Orleans (Schiller)

1. Oktober: Julius Cäsar (Shakespeare, Schlegel)

12. Oktober: Der Parasit (Schiller nach Picard)

7. November: Die deutschen Kleinstädter (Kotzebue)

 

Zurück