Jean-Jacques Rousseau, (1712-1778), französisch-schweizerischer Philosoph und Schriftsteller.

Rousseau wurde am 18. Juni 1712 in Genf geboren und als Halbwaise von Verwandten aufgezogen. Dort verlebte er eine unglückliche Kindheit. Später wurde er Sekretär und Gefährte von Madame Louise de Warens (d. i. Louise Éléonore de la Tour du Phil, 1700-1762), einer wohlhabenden, zum Katholizismus konvertierten Calvinistin, die als mütterliche Freundin und Geliebte auf Rousseaus Leben und Schreiben einen großen Einfluss ausübte und ihn veranlasste, ebenfalls zum katholischen Glauben überzutreten.

In diese Zeit fällt auch Rousseaus Entscheidung, Schriftsteller und Musiker zu werden. 1742 zog er nach Paris, wo er seinen Lebensunterhalt als Hauslehrer und als Kopist von Partituren bestritt. Zeitweise war er zudem als Gesandschaftssekretär in Venedig. In Paris lernte Rousseau den französischen Philosophen Denis Diderot kennen, der ihn beauftragte, als einer der Enzyklopädisten musiktheoretische Beiträge für die französische Encyclopédie zu schreiben. Auch lebte er zusammen mit Thérèse Levasseur in freier Ehe (1768 legalisiert) und ließ die fünf Kinder, die aus der Beziehung hervorgingen, im Waisenhaus aufziehen. 1756 verließ Rousseau Paris und zog sich in die Abgeschiedenheit von Montmorency zurück, wo er seine romantische Erzählung „Julie ou la nouvelle Héloise" (1761) schrieb. Durch seinen einflussreichen Erziehungsroman „Émile ou de l’éducation" (1762) geriet Rousseau in Konflikt mit der französischen und schweizerischen Obrigkeit, woraufhin er 1762 zunächst nach Preußen und – auf Einladung von David Hume – nach England floh. Während seines Englandaufenthalts begann er ein Manuskript über Botanik mit dem Titel „La Botanique" (1802). 1768 kehrte Rousseau unter dem Decknamen Renou nach Frankreich zurück und vollendete 1770 sein autobiographisches Werk „Confessiones" (1761-1770), in dem er sein Leben darstellte und deutete. Rousseau starb am 2. Juli 1778 in Ermenonville (Frankreich).

1750 gewann Rousseau den Preis der Akademie von Dijon für seinen „Discours sur les sciences et les arts" (1750). In seinem „Discours sur l’origine et les fondements de l’inégalité parmi les hommes" (1755, „Über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen") stellt er die Entwicklungen von einer glücklichen Urgesellschaft bis zur Rechtsungleichheit in der modernen spezialisierten Gesellschaft dar und beschreibt dort das Wesen des Menschen als von Natur aus gut und erst durch die Zivilisation verdorben. Damit soll an ursprüngliche Werte wie menschliche Freiheit und Unschuld gemahnt, keineswegs aber ein „Zurück zur Natur" gefordert werden. In seiner berühmten politischen Abhandlung „Du contrat social ou principes du droit politique" (1762, „Der gesellschaftliche Vertrag oder die Grundregeln des allgemeinen Staatsrechts") vertrat er die Theorie, dass der Staat als politische Organisation auf dem Gesellschaftsvertrag (Contrat social) beruht, der von Bürgern freiwillig eingegangen wurde. Seine Verteidigung des Gemeinwillens (Volonté générale) gegenüber dem absolutistischen Staat, bildete die theoretischen Grundlagen der Französischen Revolution.

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