Freiherr vom Stein

Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein, (1757-1831), preußischer Politiker und Reformer. Stein wurde am 26. Oktober 1757 in Nassau geboren. Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen und trat 1780 in den preußischen Staatsdienst ein. Er stieg in der Verwaltung der westlichen Provinzen Preußens rasch auf: 1784 wurde er Direktor der westfälischen Bergämter, 1788 Direktor der Kriegs- und Domänenkammer von Kleve und Mark, 1796 Oberpräsident der rheinisch-preußischen Kammern und 1803 Oberkammerpräsident von Münster und Hamm. 1804 wurde er zum Preußischen Minister für Wirtschaft und Finanzen ernannt. Stein suchte mit einigem Erfolg, durch Wirtschafts- und Finanzreformen den preußischen Staat materiell für die Auseinandersetzung mit Napoleon zu rüsten; mit seinem Vorschlag zur Reform des Regierungssystems – verantwortliche Ministerialregierung statt königlicher Kabinettsregierung – konnte er sich jedoch nicht durchsetzen.

Das ihm angebotene Amt des Außenministers lehnte er aus Protest gegen die Kabinettsregierung ab, und am 3. Januar 1807 wurde er von König Friedrich Wilhelm III. entlassen. Stein zog sich auf sein Gut in Nassau zurück und verfasste hier seine „Nassauer Denkschrift zur Reform der Verwaltung"; wichtigster Punkt seines Reformenkatalogs war seine Forderung nach mehr Selbstverwaltung der Gemeinden und Provinzen und somit die Beteiligung aller Bürger am Staatswesen. Im September 1807 wurde Stein erneut als leitender Minister berufen, und zwar auf Empfehlung Napoleons und des Freiherrn von Hardenberg. Stein begann sogleich mit der Durchführung grundlegender Reformen: Im Oktober 1807 wurde die bäuerliche Erbuntertänigkeit in ganz Preußen abgeschafft, und ständische Beschränkungen wurden aufgehoben; im November 1808 erhielten die Städte die Selbstverwaltung, und die Kabinettsregierung wurde durch eine Ministerialregierung ersetzt. Am 24. November 1808 wurde Stein auf eigenen Wunsch entlassen; seine antifranzösische Einstellung hatte ihn in Konflikt mit Napoleon gebracht. Stein ging zunächst nach Österreich ins Exil; 1812 holte ihn Zar Alexander I. als Berater nach Russland. Nach Napoleons Niederlage in Russland 1812 veranlasste er den Zaren zur Gegenoffensive; Anfang 1813 überredete er in russischem Auftrag die ostpreußischen Stände zur Erhebung gegen Napoleon, und anschließend vermittelte er ein preußisch-russisches Bündnis gegen Frankreich. 1814 nahm Stein ohne offiziellen Auftrag als Berater des Zaren am Wiener Kongress teil; hier setzte er sich ohne Erfolg für einen starken deutschen Bundesstaat und gegen die Restauration der alten politischen Verhältnisse ein. Ab 1818 lebte Stein zurückgezogen in Westfalen; 1819 initiierte er die Gründung der „Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde", die die „Monumenta Germaniae Historica" herauszugeben begann, die bedeutendste Sammlung mittelalterlicher Quellen zur deutschen Geschichte. Stein starb am 29. Juni 1831 in Schloss Cappenberg.

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