Friedrich Wilhelm Josef Schelling, Kohlezeichnung von Friedrich Tieck

Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling, (1775-1854), Philosoph.

Schelling wurde am 27. Januar 1775 im württembergischen Leonberg geboren – sowohl Vater als auch Mutter waren Pastorenkinder – und studierte aufgrund seiner besonderen Begabung bereits als 15-Jähriger, gemeinsam mit Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Friedrich Hölderlin, am Tübinger Stift Theologie und Philosophie. Inspiriert wurde er vor allem von Gedanken der Spätaufklärung; auch die geschichtliche Umbruchphase der Französischen Revolution, namentlich die Philosophie von Jean-Jacques Rousseau, wirkte in seinem Denken nach. 1795 machte Schelling sein Examen und fand eine Anstellung als Privatlehrer der Barone von Riedesel; ein Jahr später betreute er sie an der Universität Jena, wobei er sich ausgiebig naturwissenschaftlichen bzw. mathematischen Studien widmete. 

Nachdem er seit 1798 als Professor an den Universitäten in Jena (dies auf Empfehlung von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller und Johann Gottlieb Fichte), Würzburg (1803-1805), München (1806-1820), Erlangen (1820-1827) und wiederum München (1827-1841) gelehrt hatte, wurde Schelling 1841 von dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. nach Berlin berufen. Obgleich dort u. a. Søren Kierkegaard, Michail Bakunin und Friedrich Engels zu seinen Hörern zählten, fanden seine Vorlesungen allgemein wenig Anklang. 1846 zog Schelling sich enttäuscht von seiner Tätigkeit an der Universität zurück. Er starb am 20. August 1854 in Bad Ragaz in der Schweiz.

Innerhalb von Schellings philosophischem Denken vollzog sich ein längerer Entwicklungsprozess. Ausgehend von den Werken Immanuel Kants und Johann Gottlieb Fichtes sowie des niederländischen Philosophen Baruch Spinoza, lag das Hauptaugenmerk seiner frühen Schaffensperiode auf der Gleichsetzung von Subjekt und Objekt. Sie wurde zur Grundlage seiner Identitätsphilosophie, die im Allgemeinen pantheistisch war und Gott mit den Kräften und Gesetzen des Universums gleichsetzte. In seiner zweiten Schaffensperiode verwarf Schelling den Pantheismus als negativ und entwickelte ein System, das er als positive Philosophie bezeichnete. Darin definierte er die menschliche Existenz als Daseinsform des Ichbewusstseins im Absoluten, das Wesen des Menschen mit seiner Einbildungskraft dagegen als die freie schöpferische Tätigkeit.

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