Friedrich Hölderlin

Johann Christian Friedrich Hölderlin, (1770-1843), Schriftsteller. Hölderlin wurde am 20. März 1770 in Lauffen am Neckar geboren. Zunächst war er für die geistliche Laufbahn bestimmt und besuchte die Klosterschulen in Denkendorf und Maulbronn. Schon in dieser frühen Phase widmete er sich ersten dichterischen Versuchen, die von den Vorbildern Christian Daniel Schubart, Edward Young, Friedrich Gottlieb Klopstock und Friedrich von Schiller geprägt sind. Wie die während des anschließenden Theologiestudiums am Tübinger Stift verfassten Hymnen standen sie auch unter dem Eindruck intensiven Naturerlebens. Allmählich mischten sich zudem idealistisch-politische Töne in Hölderlins Dichtung, die das Ereignis der Französischen Revolution und Anregungen seiner Freunde Friedrich Wilhelm Schelling und Georg Wilhelm Friedrich Hegel reflektierten. Hölderlin legte zwar 1790 sein Magisterexamen ab, entschied sich jedoch gegen die Ausübung eines geistlichen Amtes und verließ 1793 das Stift. 
Entscheidend für seinen weiteren persönlichen Werdegang wurde die Begegnung mit Schiller 1794 in Ludwigsburg. Durch die Vermittlung des von ihm verehrten Dichters erhielt Hölderlin einen Hofmeisterposten bei Charlotte von Kalb in Weimar, den er indes bereits im folgenden Jahr aufgab, um nach Tübingen zurückzukehren. In diese Periode fiel die erste geistige Krise seines Lebens, ausgelöst durch die als übermächtig empfundenen Vorbilder Johann Gottlieb Fichte und Schiller. 1796 trat er eine Hauslehrerstelle bei dem Frankfurter Bankier Gontard an, mit dessen Frau Susette ihn bald eine tiefe Zuneigung verband. Als Idealfigur der „Diotima" fand sie Eingang in Hölderlins Dichtung. 1798 kam es zum Bruch mit den Gontards, und die folgenden Jahre standen unter dem Zeichen rastloser Wanderschaft und innerer Unruhe. Nach einer kurzfristigen Tätigkeit als Hofmeister in Sankt Gallen und Bordeaux kehrte Hölderlin 1802 auf einer strapaziösen Fußwanderung aus Frankreich nach Hause zurück, und es zeigten sich erste Anzeichen seiner später ausbrechenden Gemütskrankheit. Sein Zustand besserte sich nur noch zeitweilig. 1807 wurde Hölderlin nach einjährigem Aufenthalt in der Tübinger Heilanstalt als unheilbar entlassen und fristete die restlichen vier Jahrzehnte seines Lebens unter der Obhut einer ortsansässigen Tischlerfamilie. Auch in der Abgeschiedenheit seiner Existenz im Tübinger „Hölderlinturm" entstanden noch zahlreiche Gedichte. Hölderlin starb am 7. Juni 1843 in Tübingen.

Brief Hölderlins an seinen Freund Neuffer vom November 1794:

Auch bei Schiller war ich schon einigemale, das erstemal eben nicht mit Glück. Ich trat hinein, wurde freundlich begrüßt, und bemerkte kaum im Hintergrunde einen Fremden, bei dem keine Miene, auch nachher lange kein Laut etwas besonders ahnden Ließ. Schiller nannte mich ihm, nannt' ihn auch mir, aber ich verstand seinen Namen nicht. Kalt, fast ohne einen Blick auf ihn begrüßt ich ihn, und war einzig im Innern und Äußern mit Schillern beschäftigt; der Fremde sprach lange kein Wort. Schiller brachte die Thalia, wo ein Fragment von meinem Hyperion u. mein Gedicht an das Schicksal gedruckt ist, u. gab es mir. Da Schiller sich einen Augenblick darauf entfernte, nahm der Fremde das Journal vom Tische, wo ich stand, blätterte neben mir in dem Fragmente, u. sprach kein Wort. Ich fühlt' es, daß ich über und über rot wurde. Hätt' ich gewußt, was ich jetzt weitß, ich wäre leichenblaß geworden. Er wandte sich darauf zu mir, erkundigte sich nach der Frau von Kalb, nach der Gegend und den Nachbarn unseres Dorfs, u. ich beantwortete das alles so einsylbig, als ich vielleicht selten gewohnt bin. Aber ich hatte einmal meine Unglückssstunde. Schiller kam wieder, wir sprachen über das Theater in Weimar, der Fremde ließ ein paar Worte fallen, die gewichtig genug waren, um mich etwas ahnden zu lassen. Aber ich ahndete nichts. Der Maler Majer aus Weimar kam auch noch. Der Fremde unterhielt sich über manches mit ihm. Aber ich ahndete nichts. lch ging, u. erfuhr an demselben Tage im Klub der Professoren, was meinst Du? daß Goethe diesen Mittag bei Schiller gewesen sei. Der Himmel helfe mir, mein Unglück, u. meine dummen Streiche gut zu mnchen, wenn ich nach Weimar komme. Nachher speist ich bei Schiller zu Nacht, wo dieser mich so viel möglich tröstete, auch durch seine Heiterkeit, u. seine Unterhaltung, worin sein ganzer kolossalischer Geist erschien, mich das Unheil, das mir das erstemal begegnete, vergessen ließ. Auch bei Niethammer bin ich zuweilen. Das nächstemal mehr von Jena. Schreibe mir itzt auch bald, lieber Bruder!

Dein Hölderlin.

Goethe über Hölderlin an Schiller am 23.8.1797

Gestern ist auch Hölterlein bei mir gewesen , er sieht etwas gedrückt und kränklich aus, aber er ist wirklich liebenswürdig und mit Bescheidenheit, ja mit Ängstlichkeit offen. Er ging auf verschiedene Materien, auf eine Weise ein, die ihre Schule verriet, manche Hauptideen hatte er sich recht gut zu eigen gemacht, so daß er manches auch wieder Leicht aufnehmen konnte.

Ich habe ihm besonders geraten kleine Gedichte zu machen und sich zu jedem einen menschlich interessanten Gegenstand zu wählen. Er schien noch Neigung zu den mittleren Zeiten zu haben in der ich ihn nicht bestärken konnte.

Schiller über Hölderlin an Goethe am 17.8.1797

Ich möchte wissen, oh diese Schmidt, diese Richter, diese Hölderlins absolut und unter allen Umständen so subjektivistisch, so überspannt, so einseitig geblieben wären, ob es an etwas primitivem liegt, oder ob nur der Mangel einer ästhetischen Nahrung und Einwirkung von außen und die Opposition der empirischen. Welt in der sie leben gegen ihren idealischen Hang diese unglückliche Wirkung hervorgebracht hat. Ich bin sehr geneigt das letztere zu glauben, und wenn gleich ein mächtiges und glückliches Naturell über alles siegt, so deucht mich doch, daß manches brave Talent auf diese Art verloren geht.

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