Der Aufbau der Weimarischen Staatsverwaltung.- In: Thomas Kopfermann, Dietrich Steinbach, Epochenzentrum Weimar _ Jena, Leipzig 2002, S. 37

Goethe schreibt 1781 über seine Arbeit:

„Merck und andere beurtheilen meinen Zustand ganz falsch, sie sehen das nur was iuch aufopfre, und nicht was ich gewinne, und sie können nicht begreifen, dass ich täglich reicher werde, indem ich täglich so viel hingebe. Sie erinnern sich, der letzten Zeiten die ich bei Ihnen, eh ich hierherging, zubrachte, unter solchen fortwährenden Umstände würde ich gewiß zu Grunde gegangen sein. Das Unverhältnis des engen und langsam bewegten bürgerlichen Kreises, zu der Weite und Geschwindigkeit meines Wesens hätte mich rasend gemacht..."

1782 schreibt Goethe an Knebel:

So steig ich durch alle Stände aufwärts, sehe den Bauenstand der Erde das Notdürftige abfordern, was doch auch ein behaglich auskommen wäre, wenn er nur für sich schwitzte. Du weißt aber wenn die blattläuse auf den Rosenzweigen sitzen und sich hübsch dick und grün gesogen haben, dann kommen die Ameisen und saugen ihnen den filtriten Safft aus den Leibern. Uns so geht´s weiter, und wir haben so weit gebracht, dass oben immer in einem Tage mehr verzehrt wird, als unten in einem beigebracht/organisirt werden kann."

Herder an Hamann über Goethes Ernennung zum Kammerpräsidenten und dessen Tätigkeitsfeld in Weimar (11. Juli 1782) 

Er (Kalb, d. Verf.) ist ein junger Mann unter meinem Alter, der Goethe hierher gebracht, bei dem dieser zuerst gewohnt hat, der sich nach der allgemeinen Stimme auf seine Geschäfte sehr wohl verstand und der Goethe an seine Stelle brachte. [...] und nachdem seine ehrenvolle Demission im Conseil diktiert worden, ist Goethe zum Kammerpräsidenten ernannt, doch ohne diesen Namen, der für ihn ohne Zweifel auch als appendix zu klein ist. Er ist also jetzt wirklicher Geheimer Rat, Kammerpräsident, Präsident des Kriegscollegii, Aufseher des Bauwesens bis zum Wegbau hinunter, dabei auch Directeur des Plaisirs, Hofpoet, Verfasser von schönen Festivitäten, Hofopern, Balletts, Redoutenaufzügen, Inskriptionen, Kunstwerken etc., Direktor der Zeichenakademie, in der er den Winter über Vorlesungen über Osteologie gehalten, selbst überall der erste Akteur, Tänzer, kurz das fac totum des Weimarschen und, so Gott will, bald der major domus sämtlicher Ernestinischen Häuser, bei denen er zur Anbetung umherzieht. Er ist baronisiert, und an seinem Geburtstage (wird sein der 28. August a.c.) wird die Standeserhebung erklärt werden. Er ist aus seinem Garten in die Stadt gezogen und macht ein adlig Haus, hält Lesegesellschaften, die sich bald in Assambleen verwandeln werden etc. etc.

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