Ernst Wolfgang Behrisch, 
* Frühjahr 1738 Gut Naunhof bei Dresden, 
† 21. 10. 1809 Dessau. - 
Mentor Goethes in Leipzig.
Aus einer handschriftl. Autobiographie des jüngeren Bruders Heinrich Wolfgang ist bekannt, dass der Vater eine strenge pädagogische Hand führte u. sich darauf verlegt hatte, verfallene Güter zu kaufen, wieder aufzubringen u. nach mehreren Jahren mit Gewinn wieder zu verkaufen. Es ist daher ungeklärt, warum B. nach Vollendung seiner Studien in Leipzig, durch die Vermittlung Gellerts, eine Stelle als Hofmeister im gräflich Lindenauschen Hause annahm (1765-1767); in jener Zeit war er mit Goethe bekannt. B. wurde 1767 aus dem Hofmeisterdienst entlassen und kam, wieder durch Gellerts Empfehlung, nach Dessau, wo er bis 1773 Erzieher des jungen Grafen Franz von Waldersee war, danach Erzieher des Erbprinzen Friedrich von Anhalt-Dessau. 
1789 soll er sich ins Privatleben zurückgezogen haben. Als verdienstvoll wird ihm angerechnet, dass er den Herzog Leopold Friedrich Franz von Anhalt-Dessau auf Basedow, nachmaligen Gründer des Philanthropismuss, aufmerksam machte.
Als Schriftsteller ist B. eigentlich nicht in Erscheinung getreten. Wohl soll er viel geschrieben haben, doch hatte er eine unüberwindliche Abneigung gegen die Veröffentlichung seiner Schriften. Außer einem Opernlibretto, einigen Gelegenheitsgedichten, Inschriften für Statuen in den Gartenanlagen von Dessau ist seine Mitarbeit an einem Teutsch-französischen Wörterbuch der Jägersprache [...] zu erwähnen.
Die eigentliche "Bedeutung" Behrischs beruht in der Tatsache, daß er in Leipzig Goethes Mentor war u. als der Katalysator für den ersten großen Entwurf des dichterischen Werks wirkte. Goethes berühmter Brief an B. vom 10. 11. 1767 kann als Etappe auf dem Weg zum Werther gelten 

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