Sog. Rotunde, Gebäude auf der Wiener Weltausstellung

Das Innere der Rotunde

In den sog. Gründenjahren wurde eine Idee geboren, die typisch ist für die Zeit des Konkurrenzdenkens und Geltungsstrebens der Unternehmer in ganz Europa: die Weltausstellung. Siebenmal trafen sich von 1851 bis 1878 die großen Industriefirmen in London und Paris, Wien und Philadelphia. In aufwendigen Ausstellungspalästen aus Glas und Stahl zeigten die Unternehmer die neuesten und besten Produkte und warben um Kunden auf dem Weltmarkt. Die Weltausstellungen waren nicht nur wirtschaftliche, es waren auch gesellschaftliche Ereignisse. Und eine Medaille auf dieser „Weltmeisterschaft der Gründerväter" sicherte der Firma jeweils enormen Prestigegewinn und Absatzsteigerungen daheim und in der Welt. Alfred Krupp, der Stahlkönig aus Essen, erkannte wie kein anderer deutscher Unternehmer die Werbewirksamkeit dieser Weltausstellungen. Keiner nutzte diese Gelegenheit so geschickt wie er. So kam er mit ganz Europa ins Geschäft.

Aber auch die Firma Siemens blühte. Sie führte auf der Pariser Weltausstellung (1878) die erste Differentialbogenlampe vor - das elektrische Licht trat seinen Siegeszug an.

Das neugegründete Deutsche Reich vollendete in diesen Jahren seine Wandlung vom Agrar- zum Industriestaat. Industrialisierung, Verkehrserschließung und das Wachsen der Großstädte veränderten die Umwelt damals radikal und erzeugten in den Menschen nicht nur Fortschrittsbegeisterung, sondern auch vielleicht durch Existenzangst begründet - das Bedürfnis nach Vertrautem, geschichtlich Gewachsenem, immer schon Dagewesenem. Die Begeisterung für historische Themen und Kulissen, Denkmäler und Hausfassaden hatte sicher auch hier ihre Ursachen - man brauchte die Vergangenheit, weil man dem technischen Fortschritt innerlich noch nicht gewachsen war.

Die Eisenbahn rollte immer schneller und immer weiter durch das vereinte Deutsche Reich. Sie wurde zum Massentransportmittel. Man baute das Fernstreckennetz weiter aus. Die Eisenbahnverbindung von Aachen bis Königsberg war durchgehend fertiggestellt, begleitet von Telegrafendrähten. In den meisten Städten entstanden Bahnhöfe mit modernen Stahlgerüstkonstruktionen sowie schloßähnlichen Fassadenverzierungen. Ihre Architekten machten Anleihen bei allen historischen Stilepochen, von der Gotik über die Renaissance zum Barock.

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