Die Epoche der Geselligkeit, des Zirkels, des SaIons und der ausgelassenen Volksfeste begeht auch mit besonderer Hingabe ihre Familienfeste und die Feiertage des Jahres.

Weihnachten besonders ist ein Hauptereignis für Kinder, und selbst die ärmsten Eltern sind liebevoll bestrebt, kleine Geschenke, Konfekt und ein neues Kleidchen herbeizuschaffen. Der Dichter E.T.A. Hoffmann schildert in seinem Märchen „Nußknacker und Mäusekönig" einen gutbürgerlichen Weihnachtsabend, an dem der heilige Christ den Kindern die wunderbarsten Dinge beschert, wenn sie das ganze Jahr über besonders artig und fromm gewesen sind. Der große Tannenbaum in der Mitte des Zimmers trägt viele silberne und goldene Äpfel, und wie Knospen und Blüten keimen Zuckermandeln und Bonbons und was es noch für schönes Naschwerk gibt, aus allen Ästen. An seinen Zweigen funkeln hundert kleine Lichter wie Sterne und laden freundlich ein, seine Blüten und Früchte zu pflücken. Um den Baum umher glänzt alles sehr bunt und herrlich. Daliegen für die Mädchen die zierlichsten Puppen, allerlei saubere, kleine Gerätschaften und, das Schönste von allem, ein seidenes Kleidchen mit bunten Bändern geschmückt. Buben bekommen ein neues Steckenpferd, eine Schwadron Husaren, prächtig in Rot und Gold gekleidet mit silbernen Waffen und auf weißglänzenden Pferden; für alle Kinder sind die Bilderbücher, in denen schöne Blumen, bunte Menschen und spielende Kinder abgebildet sind. Das Allerschönste aber ist ein herrliches Schloß mit vielen Spiegelfenstern und goldenen Türmen auf einem grünen, mit bunten Blumen geschmückten Rasenplatz.

So ähnlich dürfte es in den Weihnachtszimmern der wohlhabenden Bürger ausgesehen haben. Der Christbaum kommt zu neuen Ehren (während der Kriegsjahre hatte man ihn als Symbol des Widerstandes und der Hoffnung angesehen) und löst seit 1830 die Lichterpyramide ab. Der Grund ist sehr prosaisch: mit der Erfindung der Stearinkerze wird es nicht mehr so teuer, den Lichterglanz zu entzünden.

Auch der gemeinsame Gesang der Familienmitglieder gehört zum Fest, einige der bekanntesten Weihnachtslieder entstehen im Biedermeier: In der Kirche des Vikars Joseph Mohr (1792-1848) aus Oberndorf im Salzburgischen ist ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit 1818 die Orgel defekt. Er schreibt die Verse „Stille Nacht, heilige Nacht" nieder und bringt sie zu seinem Freund, dem Schulmeister Franz Gruber (1787-1863), der dazu die weltberühmte Melodie für zwei Singstimmen, Chor und Gitarrenbegleitung komponiert. Im selben Jahr verfaßt der Schriftsteller und Pädagoge Johannes Falk (1768-1826) den Text des Liedes „O du fröhliche, o du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit" zur Melodie einer alten sizilianischen Fischerweise. 1824 dichtet der Magister Ernst Anschütz auf die Melodie eines alten Landsknechtliedes das Weihnachtslied „O Tannenbaum". 1846 entwirft John C. Horseley die erste illustrierte Weihnachtskarte.

Zurück
Hauptseite