Wartburgfest am 18./19.10.1817

Die Jenenser Buschenschaftler luden im Oktober 1817 Studenten aller deutschen Universitäten zu einer ersten großen öffentlichen Zusammenkunft auf die Wartburg. Der Anlaß: Gemeinsam wollte man des dreihundertjährigen Jubiläums von Luthers Thesenanschlag und der vierjährigen Wiederkehr der Völkerschlacht bei Leipzig gedenken.

Mehr als 500 Delegierte der Universitäten zogen am Morgen hinauf zur Wartburg. Patriotische Reden heizten die Stimmung an: Ein Kriegsveteran und Theologiestudent sprach aus, was alle dachten: „Das deutsche Volk hatte schöne Hoffnungen gefaßt. Sie sind alle vereitelt. Alles ist anders gekommen, als wir erwartet haben. Viel Großes und Herrliches... ist unterblieben. Mit manchem heiligen und edlen Gefühl ist Spott und Hohn getrieben worden. Über solchen Ausgang sind viele wackere Männer kleinmütiggeworden, meinen, es sei eben nichts mit der vielgepriesenen Herrlichkeit des deutschen Volkes, und ziehen sich zurück vom öffentlichen Leben, das uns so schön zu erblühen versprach. Nun frage ich Euch, die Ihr hier versammelt seid, ob Ihr solcher Gesinnung beistimmt? Nein! Nun und nimmermehr!"

Am Abend wurden die Siegesfeuer in Erinnerung an die Leipziger Schlacht entzündet, und eine Gruppe Studenten warf reaktionäre Schriften, einen Soldatenzopf, einen Schnürleib und einen Korporalsstock - Gegenstände, die Rückständigkeit und den überwundenen Geist des Absolutismus verkörperten, in die Flammen. In Windeseile verbreitete sich die Nachricht von dieser symbolischen Aktion durch die Zeitungen in ganz Deutschland. Die Regierenden waren alarmiert. Das Mißtrauen der restaurativen Kräfte gegen alle liberalen, nationalen war geweckt. Nun meinte man zu wissen, aus welcher Ecke Gefahr drohte. Die ersten Polizeimaßnahmen gegen die Patrioten der Befreiungskriege setzten ein. Das Bündnis zwischen Volk und Obrigkeit aus den Tagen der Freiheitskriege wurde aufgekündigt.

Ein Jahr nach dem Wartburgfest schlossen sich die Burschenschaften der einzelnen Universitäten in Jena zu einer „Allgemeinen Deutschen Burschenschaft" zusammen. Die Studenten hatten für sich die Einheit Deutschlands vollzogen - sie sollte für das ganze deutsche Volk Ermutigung und Ansporn sein. Politisch wollte die Mehrheit der Studenten einen maßvollen Kurs steuern, um den Fürsten möglichst wenig Anlaß zum Eingreifen zu bieten.

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