Das europäische Bündnissystem nach Bismarck

Nach Bismarcks Entlassung hatte der Kaiser Leo von Caprivi (1831_1899) zum Reichskanzler ernannt, einen klugen, sachlichen ehemaligen Generalstabsoffizier und gutwilligen Staatsdiener, der aber mit entwaffnender Offenheit vor dem preußischen Landtag gestand: „Mir waren die politischen Vorgänge bisher fremd, und ich bin in einen Wirkungskreis gestellt, den im allgemeinen zu überschauen mir bis heute noch nicht möglich geworden ist. " Der Rückversicherungsvertrag mit Rußland lief im Juni 1890 aus. Er wurde nun unter Bismarcks Nachfolger nicht erneuert. Im Jahre 1894 schlossen sich Frankreich und Rußland in einer Militärkonvention zusammen. Frankreich hatte nun seine Isolierung durchbrochen, und Deutschland war umklammert. Bismarcks Alptraum war Wirklichkeit geworden. Caprivi und die deutschen Außenpolitiker hofften auf eine Annäherung an England. Der bewaffnete Konflikt mit Rußland und Frankreich war auf die Dauer ohnehin unvermeidlich.

1894 kam der Helgoland-Sansibar- Vertrag zustande, in welchem das englische Protektorat über Sansibar anerkannt wurde, während Deutschland die seit dem Jahre 1814 in englischem Besitz befindliche Insel Helgoland erhielt. Dazu kamen Grenzfestlegungen in „Deutsch-Ostafrika" und „Deutsch-Südwestafrika". Die Kritik in Deutschland an den Zugeständnissen gegenüber England war heftig. Wenig später gründeten die nationalistischen Kräfte den „Alldeutschen Verband ".

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