Friedrich von Schinkel, Neues Schauspielhaus am Gendarmenmarkt in Berlin, erbaut 1818-1821

Der Besuch des Theaters gehört im Biedermeier zu den künstlerischen und gesellschaftlichen Ereignissen; man hat im besseren Fall eine Loge, führt Frack und Robe aus, plaudert ein wenig im Foyer und diskutiert Stücke und Aufführungen engagiert im Salon. Fast ebenso wichtig wie die Aufführung, das Schauspiel oder die Oper selbst sind Schauspieler, Sänger, Virtuosen. Gastspiele werden als wichtige Saisonereignisse im Doppelsinn des Wortes „beklatscht".

Oft geht man nicht mehr ins Theater, um ein bestimmtes Stück, sondern die darin auftretende Berühmtheit zu sehen.

Die letzten großen Klassiker werden uraufgeführt oder, wie die Werke Shakespeares, wiederentdeckt und übersetzt, die Realisten schreiben bereits, und auch die Romantiker sprechen als Dichter und Theaterleiter ein Wort mit. Nach den Befreiungskriegen nehmen die Bühnen eine wichtige Stellung im Organismus der Städte ein. Die Maßnahmen zur Sicherheit sind noch unzureichend, Theater brennen ab, so das Schauspielhaus in Berlin (1817) und die Oper in München (1818); sie werden schöner und repräsentativer wiederaufgebaut. Daneben entwickeln sich Privatinitiativen: 1834 wird z. B. das Hamburger Thalia-Theater von Privatleuten gebaut. Die Intendanten und Interpreten entwickeln neues Verständnis ihrer Aufgaben; Posten werden nicht nur verwaltet, sondern künstlerisch aktiv gestaltet. In Berlin ist August Wilhelm Iffland (1759-1814) Theaterleiter und Darsteller zugleich.

Aber auch auf der Bühne spricht die allmächtige, allgegenwärtige Zensur ihr Wort mit. In Berlin werden z. B. Aufführungen von „Egmont", „Wilhelm Tell" und „Die Räuber" untersagt, weil die „Helden" Aufrührer und Rebellen gegen die Obrigkeit sind; ebenso der „Prinz von Homburg", denn ein Offizier darf den Tod nicht fürchten. Neue Stücke sollen harmlos sein, nicht an Fragen der Gegenwart rühren, keine Beamten, Geistlichen, Fürstlichkeiten kritisieren, selbst die Verkleidung Komödie und Satire wird verboten, so daß die Lustspiele - etwa des begabten Dichters Eduard von Bauernfeld (1801-1890) - flach und langweilig wirken und ein renommierter Dichter wie Grillparzer von der Polizei auf der Suche nach Manuskripten bis in sein Schlafzimmer verfolgt wird. Die österreichische Zensur gibt sich besonders unerbittlich und bis zur Lächerlichkeit streng. Uneheliche Kinder dürfen nicht auf der Bühne vorkommen, Familienzwistigkeiten gelten als tabu.

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