Napoleon begann 1812 seinen Feldzug gegen Rußland. Preußens Situation war schwierig: Es mußte den Franzosen die Hälfte seines regulären Heeres zur Verfügung stellen und sein eigenes Gebiet als Durchmarsch- und Nachschubgebiet preisgeben. Hardenberg als Chef der preußischen Außenpolitik war entschlossen, zunächst Napoleons Forderungen zu erfüllen und auf eine günstige Gelegenheit zum Widerstand zu warten. - Napoleon zog nach Rußland mit der größten Armee der Geschichte - über 600 000 Soldaten, ein Drittel davon Deutsche. Zwar errang Napoleon zwei Siege und erreichte im Spätherbst Moskau. Aber Moskau ging in Flammen auf, der Nachschub blieb aus. Der Kaiser mußte sich zu einem überstürzten Rückzug entschließen - mitten hinein in den unbarmherzigen russischen Winter. Hunger, Kälte, Krankheiten vollendeten die Tragödie.

Als die traurigen Reste der „Grande Armee" abgerissen, verhungert und geschlagen durch Preußen zogen, erhob sich auch in Preußen der nationale Widerstand. Als erster nutzte General von Yorck (1759-1830), der Befehlshaber des preußischen Hilfscorps, die Gunst der Stunde und schloß im Dezember 1812 mit dem russischen General Diebitsch die Konvention von Tauroggen ab. Ohne Weisung seiner Vorgesetzten oder gar Befehl des Königs schloß Yorck in eigener Verantwortung mit den Russen eine Übereinkunft, nach der das preußische Truppenkontingent die Küste zwischen Memel und Tilsit besetzen und neutral bleiben sollte. Damit hatte sich ein preußisches Hilfscorps, das Frankreich hätte unterstützen müssen, auf die Seite des Gegners geschlagen.

Nach wochenlangem Drängen von Offizierscorps, Armee und Volk, schloß der preußische König Friedrich Wilhelm III. im Februar 1813 ein Bündnis mit Rußland gegen Frankreich. Den Oberbefehl erhielt General von Blücher (1742-1819). Am 16. März des Jahres 1813 erklärte Preußen Frankreich offiziell den Krieg, am 17. März erließ der König seinen berühmten Aufruf „An mein Volk ", in dem er um Zuneigung und Opferbereitschaft seiner Untertanen bat. Friedrich Wilhelm hatte zwar diese zündenden Worte nicht selbst verfaßt, aber immerhin hatte er sie unterschrieben und damit gebilligt. Zum ersten Mal gestand darin ein absoluter Monarch ein, daß er sein Volk brauche. Ein nationaler Taumel hatte bereits weite Bevölkerungskreise ergriffen und drohte sich revolutionär nach innen zu richten. Um das zu verhindern, hatte Friedrich Wilhelm schließlich diesen Aufruf erlassen.

In spontaner Opferbereitschaft spendeten Preußens Bürger in den drei Kriegsjahren sechseinhalb Millionen Taler an privaten Werten: zahllose liebevoll gehütete Schmuckstücke, deren Erinnerungswert viel größer war als ihr materieller; Hunderttausende goldener Eheringe wurden in der Aktion „Gold gab ich für Eisen" in wertlose eiserne umgetauscht. Das in den Besatzungsjahren ausgeblutete Preußen brauchte jede finanzielle Hilfe, um die Freiwilligen auszurüsten und zu unterhalten. Eine Flut von nationalen Liedern, Gedichten, Aufrufen ergoß sich nun, da die französische Zensur aufgehoben war, und entfachte eine Massenbegeisterung. Vieles davon war schon Jahre zuvor entstanden und durfte jetzt veröffentlicht werden. Die Freiwilligenverbände, die für die Freiwilligen aus den französisch besetzten Gebieten eingerichtet wurden, verfolgten den Gegner mit unbändiger Wut, und da die Rheinlandstaaten gezwungen waren, für Napoleon zu kämpfen, standen somit auch Deutsche gegen Deutsche.

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