Bismarck schuf zwischen 1883 und 1889 seine große sozialpolitische Gesetzgebung, die im Ausland vielfach nachgeahmt wurde. Im Jahre 1883 wurde die gesetzliche Krankenversicherung eingeführt, 1884 die gesetzliche Unfallversicherung und 1889 das Gesetz über die Invaliditäts- und Alterssicherung. Damit war gewährleistet, daß der arbeitsunfähig gewordene Arbeiter nicht völlig hilflos der Armut preisgegeben war.

Man hat Bismarcks Sozialversicherungsgesetzgebung als „Zuckerbrot" für die Arbeiter bezeichnet, welche man vorher mit der „Peitsche" der Sozialistengesetze mürbe gemacht habe. Dennoch ist es dieser vorbildlichen Gesetzgebung nicht gelungen, die Arbeiter Deutschlands mit der Bismarckschen Regierung zu versöhnen. Aber aus Bismarcks Sicht waren diese Maßnahmen auch nicht nur opportunistische Realpolitik, sie entsprangen auch dem Wunsch zu demonstrieren, daß der Staat der Arbeiterklasse mehr zu bieten habe als die Sozialdemokraten. Bismarck hoffte, die Nutznießer seiner Sozialpolitik würden von selbst von ihren „falschen" Einsichten bekehrt werden. Aber die Sozialversicherungsgesetze waren natürlich eine verdeckte Waffe gegen die Arbeiterbewegung und die Sozialdemokratie und ein Ausgleich gegen die Sozialistenverfolgungen, die andauerten, bis das Sozialistengesetz 1890 endlich aufgehoben wurde.

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