Max Schneckenburger, Die Wacht am Rhein (November 1841)

Es braust ein Ruf wie Donnerhall,

Wie Schwertgeklirr und Wogenprall:

Zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein,

Wer will des Stromes Hüter sein?

Lieb' Vaterland, magst ruhig sein,

Fest steht und treu die Wacht am Rhein.

 

Durch Hunderttausend zuckt es schnell,

Und aller Augen blitzen hell:

Der deutsche Jüngling, fromm und stark,

Beschirmt die heil'ge Landesmark.

Lieb' Vaterland, magst ruhig sein,

Fest steht und treu die Wacht am Rhein.

 

Auf blickt er, wo der Himmel blaut,

Wo Vater Hermann1  niederschaut,

Und schwört mit stolzer Kampfeslust:

"Du, Rhein, bleibst deutsch, wie meine Brust"

Lieb' Vaterland, magst ruhig sein,

Fest steht und treu die Wacht am Rhein.

"Und ob mein Herz im Tode bricht,

Wirst du doch drum ein Welscher2  nicht,

Reich wie an Wasser deine Flut,

Ist Deutschland ja an Heldenblut."

Lieb' Vaterland, magst ruhig sein,

Fest steht und treu die Wacht am Rhein.

 

"Solang ein Tröpfchen Blut noch glüht,

Noch eine Faust den Degen zieht,

Und noch ein Arm die Büchse spannst,

Betritt kein Welscher deinen Strand."

Lieb' Vaterland, magst ruhig sein,

Fest steht und treu die Wacht am Rhein.

 

Der Schwur erschallt, die Woge rinnt,

Die Fahnen flattern in den Wind.

Am Rhein, am Rhein, am deutschen Rhein,

Wir alle wollen Hüter sein!

Lieb' Vaterland, magst ruhig sein,

Fest steht und treu die Wacht am Rhein.

1 Hermann der Cherusker

2 Welscher: Franzose

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