Carl Johann Arnold, Quartettabend bei Bettina

Bettina von Arnim führte in Berlin einen großen Salon, den sämtliche Berühmtjeiten der Zeit oft und gern besuchten. Poeten, Gelehrte, Politiker und Theaterleute waren häufig bei ihr anzutreffen.

Salons im Biedermeier haben verschiedene Couleur. Treffpunkt interessanter und geistreicher Persönlichkeiten ist der literarische Salon, meist von klugen und gebildeten Damen geführt, der eine bedeutende Institution für das geistige Leben darstellt. Im Salon der Rahel Varnhagen in Berlin verkehren Gelehrte, Literaten und Künstler, wie z. B. die Brüder Humboldt, die Historiker Leopold von Ranke (1795-1886) und Karl Otto von Raumer (1805-1859), die Philosophen Hegel und Victor Cousin (1792-1867), Heine, E.T.A. Hoffmann. Ihre sympathische Bescheidenheit, ihre bodenständigen Ansichten und vielseitigen Interessen bezeugen ihre zahlreichen Briefe, die wichtige Dokumente der Zeit sind. Die Unterhaltungen gestalten sich intensiv, nicht selten wird auch Politik geschmiedet, wenn etwa der preußische Prinz Louis Ferdinand (1772-1806) oder hohe Staats- und Hofbeamten zu Gast sind. Rahels Mann, der Diplomat Karl August Varnhagen von Ense (1785-1858), schildert eine typische Szene: „... der lebhafte rasche Disput war wie ein improvisiertes Schauspiel, nur einige Male rief Frau von Varnhagen Zwischenworte hinein, um das Gespräch in gutem Geleise zu halten."

Daneben gibt es in den Bürgerhäusern den kleinen Salon, den regelmäßig abgehaltenen Zirkel in der guten Stube. Man trifft sich zu alltäglichem Klatsch, trinkt Kaffee, plaudert bei Likör oder Bowle über die letzte Theateraufführung, die neueste Mode, den eben erschienenen Roman, den „man" gelesen haben muß; die Damen gruppieren sich um den Biedermeiertisch, die Herren versammeln sich im Rauchzimmer, bei schönem Wetter hält man sich im Garten auf. Solche Zusammenkünfte sind zwanglos, man führt keine gehobene Unterhaltung, sondern übt sich, wie man es heute nennen würde, im „small talk".

Allerdings macht sich auch auf diesem Gebiet bald der Wunsch bemerkbar, etwas mehr zu wissen, klüger, gebildeter zu sein als andere: Biedermeier ist die große Blütezeit der umfangreichen, vielbändigen Konversationslexika. Der Erfolg dieser Bücher ist enorm, sie erreichen hohe Auflagen. Das Lexikon der Firma Brockhaus, „Allgemeine deutsche Realenzyklopädie für die gebildeten Stände", 1808 in dieser Form gegründet, geht um 1819/1820 bereits in die 5. Auflage; das „Große Konversationslexikon" von Joseph Meyer (seit 1840) umfaßt 1852 bereits 52 Bände. Im Besitz dieser „enzyklopädischen Gelehrtheit" fühlt man sich nicht nur selbst als gebildeter Mensch, die Anwendung des damit erworbenen Wissens verhilft auch am kleinbürgerlichen Stammtisch zu höchstem gesellschaftlichen Ansehen.

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