Revolutionslied (anonym)1

Es wird geschehn, es wird geschehn,

Die Zeit ist nicht mehr ferne,

Da werdet ihr gehangen sehn

Den Adel an die Laterne.

Es wird geschehn, es wird geschehn,

Die Zeit ist nicht mehr ferne!

 

Der Despote mag am ersten Tag

Zu dem Schafotte wallen,

Das Land ist frei von Tyrannei,

Sobald sein Haupt gefallen.

Es wird geschehn, es wird geschehn,

Der Tag ist nicht mehr ferne!

 

Die nächsten, ei! die nenn' ich gern,

Es sind die Herrn Minister,

Dann kommen Höflinge und Herrn,

Und ekle geile Priester:

Es wird geschehn, es wird geschehn,

Die Zeit ist nicht mehr ferne!

 

Und wenn der Wut des Volks ihr Blut

In Strömen ist geflossen,

Kann hoch und hehr aus blut'gem Meer

Die junge Freiheit sprossen.

Es wird geschehn, es wird geschehn,

Die Zeit ist nicht mehr ferne!

 

Mein Volk! mein Volk! nimm in die Hand

Die Waffen und die Wehren!

Schon höret man im ganzen Land

Des Aufruhrs dumpfes Gären.

Es wird geschehn, es wird geschehn,

Der Tag ist nicht mehr ferne!

 

Drum seht ihr wo Tyrannen froh

Und schwelgend beim Gelage,

So hungert gern und denkt: nicht fern

Ist mehr die Zeit der Rache:

Es wird geschehn, es wird geschehn,

Die Zeit ist nicht mehr ferne!

 

1 Studenten-Kurier 27. Juli 1848: »Dieses Gedicht haben wir anonym eingesendet bekommen, und obwohl es uns einigermaßen zu brausend schien; so teilen wir es doch seines poetischen Wertes wegen mit. Möge niemals die Zeit kommen, wo das erbitterte Volk derlei Lieder singt."
Zurück
Hauptseite