Kaiserliche Truppen werden von Teilen des Bürgertums, das die Rückkehr zur Ordnung gutheißt, nach der Wiedereroberung Wiens begrüßt

 

 

Preußisches Militär sammelt die Waffen der Revolutionäre ein

In Wien brach im Oktober 1848 erneut die Revolution aus. Weit mehr Studenten, Bürger und Arbeiter als im März - geschätzt werden 100 000 - gingen auf die Barrikaden. Die Frankfurter Abgeordneten Robert Blum (1807-1848) und Julius Fröbel (18051893) reisten nach Wien, um den Kämpfenden in leidenschaftlichen Reden Mut zuzusprechen. Die österreichischen Truppen unter der Führung des Fürsten Alfred zu Windischgraetz (1787-1862) schlugen den Aufstand nieder. Die Revolution war beendet. 24 Aufständische wurden durch Standgerichte zum Tode verurteilt. Auch Robert Blum wurde erschossen, obwohl er nicht mit der Waffe gekämpft hatte. Das war eine bewußte Brüskierung der Nationalversammlung in Frankfurt und eine Demonstration ihrer völligen Machtlosigkeit.

Das revolutionäre Wien arrangierte sich mit den Siegern. Der Österreichische Reichstag tagte vom 22. November 1848 an in dem Städtchen Kremsier in Mähren. Fürst Felix zu Schwarzenberg (1800-1852), Chef der neuen österreichischen Regierung, bewog Kaiser Ferdinand I. zur Abdankung und präsentierte zum Ende des Jahres 1848 einen neuen Kaiser, den 18jährigen Franz-Joseph I. (1848-1916), der Österreichs Kaiserkrone dann bis ins 20. Jahrhundert hinein tragen sollte. Der österreichische Reichstag, der sich inzwischen auf eine Verfassung geeinigt hatte, wurde im März 1849 aufgelöst. Österreich erhielt eine Verfassung von oben oktroyiert, die den Wünschen der verschiedenen Nationalitäten im Habsburgerreich keinen Raum gab.

 

Die Vorgänge in Österreich gaben Preußen den revolutionären Rückenwind. Hier war in Berlin am 22. Mai die Preußische Nationalversammlung zusammengetreten, aber um den König hatte sich die reaktionäre „Hofkamarilla" als eine Nebenregierung gesammelt. Sie wollte die Macht des Adels und der Armee im alten Umfang wiederherstellen. Als die Preußische Nationalversammlung mit Hilfe der Regierung eine Reihe liberaler Forderungen gen durchführen wollte, schloß sich der grundbesitzende Adel zusammen, um seine Vorrechte zu retten - die preußisch-konservative Partei entstand. Der Befehl, die Preußische Nationalversammlung von Berlin nach Brandenburg zu verlegen, führte zu neuen Unruhen in den Straßen Berlins, radikale Arbeiter stürmten das Zeughaus. General Friedrich von Wrangel (1784-1877) marschierte in Berlin ein und besetzte mit 13 000 Soldaten das Stadtzentrum. Am 5. Dezember löste der König die Preußische Nationalversammlung auf und verkündete selbst eine recht liberale, aber oktroyierte Verfassung für Preußen. Mit dieser Auflösung löste sich der König von seinem Versprechen, eine Verfassung durch Vereinbarung mit den gewählten Volksvertretern zu schaffen.

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