Das Abendgebet, Aquarell von Peter Fendi (1796-1842)

Die religiöse Grundstimmung der Zeit ist romantisch-katholisierend und konservativ. Im Gegensatz zu den revolutionären Strömungen und technischen Neuerungen greift der Bürger gern zu den beruhigenden Versicherungen der Kirche. Viele Künstler konvertieren, wohl auch als Reaktion auf die Nüchternheit der Aufklärung des 18. Jh.s, zum Katholizismus, so die Dichter Friedrich Schlegel und Zacharias Werner oder die Maler Wilhelm von Schadow oder Friedrich Overbeck. Der Protestantismus verzichtet auf übertriebene Erbaulichkeit oder gar Mystizismus in den Lehrmeinungen, die Pastoren verhalten sich sachlich nüchtern, gänzlich diesseitsbezogen, der sonntägliche Kirchgang der Familie ist selbstverständlich, oft sogar gesellschaftliche Routine.

Religion und Religionsgrundsätze werden als Thema in der Politik und im öffentlichen Leben diskutiert; Vertreter beider Konfessionen geben zahlreiche Schriften heraus, Publizisten wie Adam von Müller (1779-1829) oder Karl Ludwig von Haller (1768-1854), beide Konvertiten, versuchen, katholische Religion in die Politik einzubringen.

Auch die traditionelle Volksfrömmigkeit erfährt im Biedermeier eine Wiederbelebung. Als exemplarisches Beispiel sei Bayern erwähnt, wo Ludwig I. z.B. das Wallfahrten als religiösen Volksbrauch (und damit verbunden auch das Geschäft der Andenkenhändler) neu aufleben läßt und sogar einige der während der Säkularisation aufgehobenen Klöster als religiöse und kulturelle Zentren wieder begründet.

Geistliche beider Konfessionen stehen unter dem besonderen Schutz der restaurativen Epoche. Sie dürfen nicht öffentlich angegriffen, nicht kritisiert werden und sind beinahe so sakrosankt wie Polizei und Obrigkeit.

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