In Deutschland wirken die Karlsbader Beschlüsse lähmend auf die Entwicklung des Pressewesens. wirken; die Zeitungsgründungen nehmen jedoch zu, je weiter das Jh. fortschreitet. Ärgerlich knurrt z. B. Fürst Blücher, der alte „Marschall Vorwärts" der Befreiungskriege und martialische Held von Waterloo: „Was die Schwerter uns erwerben, laßt die Feder nicht verderben!" Als Redakteure der Zeitungen arbeiten meist Dichter, bekannte Publizisten, Männer, die das Gewicht ihrer Persönlichkeit den Zensoren entgegenzusetzen versuchen. Gleich zu Beginn des Biedermeier steht 1816 das Verbot des erst seit 1814 von Johann Joseph von Görres (1776-1848) herausgegebenen „Rheinischen Merkurs", von Napoleon die „Fünfte Großmacht" genannt, einer politischen Tageszeitung von gemäßigt-liberaler Tendenz. Seit 1817 gibt Friedrich Wilhelm Gubitz (1786-1870) die belletristische Zeitschrift „Der Gesellschafter oder Blätter für Geist und Herz" heraus. Die „Blätter für literarische Unterhaltung", 1818 von August von Kotzebue als literarisches Wochenblatt in Weimar gegründet, 1820 von F.A.Brockhaus in Leipzig übernommen, erscheinen seit 1826. 1819 ist die „Allgemeine preußische Staatszeitung" amtliches Blatt der preußischen Regierung. Von 1822-1823 erlebt die „Zeitschrift für die Wissenschaft des Judentums", herausgegeben von L. Zunz, eine kurze Blüte. 1827-1829 erscheint das „Berliner Konversationsblatt für Poesie, Literatur und Kritik", herausgegeben von Friedrich Christoph Förster (1791-1868) und Willibald Alexis (1798-1871).

1834 gibt Georg Büchner den revolutionär-sozialistischen „Hessischen Landboten" heraus und muß 1835 deshalb ins Ausland fliehen. 1838 werden in München durch Guido Görres (1805-1852) die „Historisch-Politischen Blätter" gegründet, ein katholisch-konservatives Kampfblatt gegen die Auswirkungen der Juli-Revolution.

1841 wird in Leipzig die „Illustrierte Zeitung" gegründet, eine Wochenzeitung, die wesentlichen Einfluß auf das politische und gesellschaftliche Denken nimmt. 1844 gibt Robert von Mohl (1799-1875) die „Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft" heraus. Im Revolutionsjahr 1848 gründet Karl Marx die „Neue Rheinische Zeitung", Otto von Bismarck die konservative „Neue Preußische Zeitung".

Die meisten Presseorgane verfolgt der Druck der Zensur, die 1819 mit den Karlsbader Beschlüssen weitgreifende Macht erlangt hat. Die Prüfung des Inhalts einer Zeitung vor Drucklegung macht ein offenes Wort unmöglich, hohe Kautionen, die von den Verlegern gefordert werden, belasten die Unternehmer, sog. „Stempelsteuern" erhöhen den Preis des Abonnements und erschweren die Verbreitung. Die politischen Zeitungen Deutschlands werden in jeder Weise in ihrer freien Meinungsbildung gehindert und müssen, was Verbreitung und Einflußnahme betrifft, weit hinter den Blättern Frankreichs zurückstehen.

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