„Sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über dich hat", diese Weisheit der Bibel könnte über dem Beamtentum der ganzen Biedermeierepoche stehen. Die Furcht vor dem langen Arm des Staates treibt manchen Bürger erst in die Zurückgezogenheit seines Wohnzimmers und viele aufmüpfige Poeten außer Landes. Die Beamten, durch ihren Status an den Amtseid gebunden, haben in einer Zeit, in der Zoll und Zensur, Demagogenverfolgung und Briefkontrolle üblich sind, nur geringen Spielraum für Großzügigkeit im eigenen Ermessen, für Toleranz. Ihre Amtsgewalt erstreckt sich über die Amtsstuben hinaus in jede Sphäre. Der Beamte soll pflichtgetreu und gerecht, pünktlich und unparteiisch, nur dem Gesetz verantwortlich und unbestechlich sein. Der Beamte der Restaurationszeit ist von all dem das Gegenteil: Faul, stur, profitgierig, karrierebesessen, duckmäuserisch nach oben, sadistisch tretend nach unten.

Der Durchschnittsbeamte tut, was Herr Biedermeier privat macht: Er verschanzt sich. Das Dienstzimmer, Aktenberge, sein „Bureau", die Paragraphen und deren engstmögliche Auslegung sind sein Credo.

Die Polizei darf einschreiten, wann und wo sie will, auch auf bloßen Verdacht hin. Ebenso gefürchtet wie der Zensor und seine Gehilfen bei Personen von Geist, ist der Gerichtsvollzieher bei den kleinen Leuten. Zustellungen, Ladungen, vor allem Vollstreckungen führt er unerbittlich aus, und er klebt nicht bloß einen „Kuckuck" auf Gepfändetes, er nimmt mit - und zwar alles, was irgend von Wert sein könnte. Einschränkungen, „Unpfändbares" aus billiger Notwendigkeit kennt die Obrigkeit nicht. Nur: Anprangern, sich zur Wehr setzen, sei es auch nur verbal, ist Privileg derjenigen, die sich gewandt artikulieren können.

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