Aus Süddeutschland kamen in diesen unruhigen Märztagen des Jahres 1848 neue Impulse für die Sache der Demokratie. In Heidelberg hatten am 5. März 51 liberale Politiker aus dem Süden und Westen Deutschlands die Initiative ergriffen und forderten die Einberu fung eines Deutschen Parlaments". Sie bildeten einen Ausschuß, der ein Vorparlament zusammenrufen sollte. Und tatsächlich trafen am 31. März 1848 fast 500 Abgesandte aus allen deutschen Ländern in Frankfurt ein, die in der (ehemaligen) Paulskirche ihre Beratungen aufnahmen. Die nationalen Hoffnungen aller Deutschen waren nun - nach den blutigen Tagen von Berlin und Wien - auf diese Versammlung gerichtet, von der man die Vorbereitungen für die Schaffung eines deutschen Staates erwartete.

Trotz heftiger Auseinandersetzungen zwischen Monarchisten und Republikanern Befürwortern und Gegnern der Beibehaltung eines Königtums - kam das Vorparlament voran. Im ganzen Gebiet des Deutschen Bundes wurden Wahlen abgehalten, zum ersten Mal nach allgemeinem und gleichem Wahlrecht, und am 18. Mai 1848 zogen die Abgeordneten der ersten Deutschen Nationalversammlung unter Glockengeläut und Salutschüssen, begleitet vom Jubel der Menge und von den Hoffnungen aller Deutschen, in die Paulskirche ein.

Es war die erste gesamtdeutsche Volksvertretung in der Geschichte. Sie versammelte alles, was in der liberalen Bewegung Rang und Namen hatte: Ludwig Uhland (1787-1862) Und Friedrich Ludwig Jahn, Ernst Moritz Arndt und den Historiker Johann Gustav Droysen (1808-1884), den „Arbeiterbischof" Wilhelm Emmanuel von Ketteler (1811-1877) und von den „Göttinger Sieben " Jacob Grimm, Friedrich Christoph Dahlmann und Georg Gervinus, dazu bekannte Juristen, Schriftsteller, Theologen und natürlich die meisten der im „Vormärz " Verfolgten. Alle Orte und Kreise Deutschlands hatten ihre hervorragendsten Vertreter geschickt, selten hat ein Parlament so viele bedeutende Köpfe in seinen Reihen gesehen. Aber es gab nur wenige Vertreter des kleinen Mittelstandes und keine Arbeiter. Dem „Hohen Haus" fehlte es mehrheitlich an Erfahrung im politischen Alltagsgeschäft.

Die Macht war den alten Obrigkeiten noch nicht genommen. Sie begannen sich spürbar zu erholen, während in dem klassizistischen Rundbau der Paulskirche ein endloses Reden und Diskutieren ablief: „Im Parla, Parla, Parlament - das Reden nimmt kein End", spottete man bereits in Deutschland.

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