Rudolf von Benningsen (1824-1902)

In Deutschland gab der italienische Unabhängigkeitskrieg der deutschen Nationalbewegung neue Impulse. 1859 gründeten nord- und süddeutsche Liberale und gemäßigte Demokraten den „Deutschen Nationalverein ", dessen Ziel ein kleindeutsches Reich mit Zentralgewalt und einem Parlament war. Der Hannoversche Gutsbesitzer Rudolf von Benningsen (1824-1902) wurde Vorsitzender dieses Vereins, in dem das Bildungsbürgertum dominierte. Sitz des Vereins war Coburg. Herzog Ernst von Sachsen-Coburg-Gotha (1844-1893) übernahm die Schirmherrschaft. 1860 hatte der Nationalverein immerhin 25 000 Mitglieder. 1867 löste er sich auf, nachdem Österreich besiegt und die „Kleindeutsche Lösung" absehbar war.

Das Nationalgefühl der deutschen Öffentlichkeit fand viele Anlässe, sich selbst zu feiern: Zusammenkünfte der Turner, Sänger, Schützen oder Gedenktage wurden zu Kundgebungen des neuen nationalen Willens. Den hundertsten Geburtstag Friedrich von Schillers feierte man 1859 von Holstein bis Triest mit nationalem Pathos; und das erste deutsche Turnfest in Coburg wurde im Jahre 1860 zur politisch-nationalen Demonstration.

Das politische Denken der Deutschen hatte sich in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts gewandelt. Das Scheitern der 48er Revolution war zu einem Trauma geworden, das bei vielen Bürgern zu politischer Abstinenz führte. Erst in der kritischen Rückschau wurde klar, wie weit der idealistische Schwung der Märztage von der politischen Wirklichkeit entfernt gewesen war. Das sollte nicht noch einmal geschehen, in Zukunft sollte Politik realistischer betrieben werden. Deswegen glaubten die politisch Engagierten, nur durch „Realpolitik" die Aufgaben der Zeit lösen zu können.

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