Ludwig Pfau, Der Leineweber (1847)

 

Der bleiche Weber sitzt am Stuhl,

Er wirft mit matter Hand die Spul' -

Knick, knack! -

Er hebt den müden Fuß zum Treten -:

"Herr Gott! Jetzt kann ich nimmer beten -

Knick, knack! -

Du Linnentuch, du Linnentuch!

Ein jeder Faden sei ein Fluch!"

 

Es webt und webt sein morscher Leib,

Am Boden liegt sein sterbend Weib -

Knick, knack! -

Die Not sitzt bei ihr, sie zu pflegen,

Der Hunger gibt ihr noch den Segen -

Knick, knack! -

"Du Linnentuch, du Linnentuch!

Ein jeder Faden sei ein Fluch!"

 

Der erste Fluch für unsern Herrn!

Hussa! Da springt mein Schifflein gern -

Knick, knack! -

Er darf am vollen Tische lungern,

Wenn wir am Webestuhl verhungern -

Knick, knack! -

"Du Linnentuch, du Linnentuch!

Ein jeder Faden sei ein Fluch!"

Und einer für den Pfaffen gleich,

Der uns verspricht das Himmelreich -

Knick, knack! -

Wir sollen sterben und verderben,

Das heißt die Seligkeit erwerben -

Knick, knack! -

"Du Linnentuch, du Linnentuch!

Ein jeder Faden sei ein Fluch!"

 

Der Faden hier sei dem verehrt,

Der Kugeln uns statt Brot beschert -

Knick, knack! -

Dem hohen Herrn von Gottes Gnaden:

O werd' ein Strick, du schwacher Faden! -

Knick, knack! -

"Du Linnentuch, du Linnentuch!

Ein jeder Faden sei ein Fluch!"

 

Die Lampe, wie sie plötzlich loht!

Gottlob, mein Weib, nun bist du tot -

Knick, knack! -

Das ist der Trost in unsrem Leben,

Daß wir das Bahrtuch selber weben -

Knick, knack!

"O könnt' ich weben, Fluch um Fluch,

Der ganzen Welt ein Leichentuch!"

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