(Franz) Emanuel (August) Geibel

(seit 1852: von Geibel)

 

Geb. 17. 10. 1815 Lübeck; gest. 6. 4. 1884 Lübeck.

Geibel war das siebte von acht Kindern in einem reformierten Pfarrhaus. Nach dem Gymnasium in Lübeck begann er 1835 in Bonn ein Theologiestudium, wechselte aber bald zur klassischen Philologie. Ab 1836 war er in Berlin, 1838 nahm er auf Vermittlung Bettine von Arnims und Savignys eine Stelle als Hauslehrer in Athen an. Nach seiner Rückkehr veröffentlichte er 1840 seine ersten Gedichte, die schnell beliebt wurden; der preußische König setzte ihm 1842 eine lebenslange Pension aus. 1852 folgte er einem Ruf König Maximilians II. nach München zu einer Ehrenprofessur für deutsche Literatur und Poetik. 1868 kehrte er nach Lübeck zurück.

 

Emanuel Geibel, Kriegslied

Juli 1870

Empor mein Volk! Das Schwert zur Hand!

Und brich hervor in Haufen!

Vom heil'gen Zorn ums Vaterland

Mit Feuer laß dich taufen!

Der Erbfeind beut dir Schmach und Spott,

Das Maß ist voll, zur Schlacht mit Gott!

Vorwärts!

 

Dein Haus in Frieden auszubaun,

Stand all dein Sinn und Wollen,

Da bricht den Hader er vom Zaun

Von Gift und Neid geschwollen.

Komm' über ihn und seine Brut

Das frevelhaft vergoss'ne Blut!

Vorwärts!

 

Wir träumen nicht von raschem Sieg,

Von leichten Ruhmeszügen,

Ein Weltgericht ist dieser Krieg

Und stark der Geist der Lügen.

Doch der einst unsrer Väter Burg,

Getrost, er führt auch uns hindurch!

Vorwärts!

Schon läßt er klar bei Tag und Nacht

Uns seine Zeichen schauen,

Die Flammen hat er angefacht

In allen deutschen Gauen.

Von Stamm zu Stamme lodert's fort:

Kein Mainstrom mehr, kein Süd und Nord!

Vorwärts !

 

Voran denn, kühner Preußenaar,

Voran durch Schlacht und Grausen!

Wie Sturmwind schwellt dein Flügelpaar.

Vom Himmel her ein Brausen,

Das ist des alten Blüchers Geist,

Der dir die rechte Straße weist.

Vorwärts !

 

Flieg, Adler, flieg! Wir stürmen nach,

Ein einig Volk in Waffen.

Wir stürmen nach, ob tausendfach

Des Todes Pforten klaffen.

Und fallen wir: Flieg, Adler, flieg!

Aus unsrem Blute wächst der Sieg.

Vorwärts !

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