Die Freiheit führt das Volk an (Gemälde von Eugéne Delacroix

Im Juli 1830 ging erneut von Frankreich eine Revolutionswelle aus, die erste, die die sorgsam gebaute und gehütete europäische Ordnung seit den Wiener Kongreßtagen in Erschütterung versetzte. Nach dem Sturz Napoleons war in Frankreich das alte Königsgeschlecht der Bourbonen wieder an die Macht gekommen. König Karl X. (1824-1830) von Frankreich dachte völlig absolutistisch, hatte die konstitutionelle Verfassung immer weiter eingeschränkt und die Pressefreiheit aufgehoben. Als er die Abgeordnetenkammer auflöste, entlud sich der angestaute Unmut der Franzosen. Die Revolution brach aus. Studenten und Arbeiter errichteten in Paris 4 000 Barrikaden. Der König floh nach England. Das liberale Bürgertum erhob Louis Philippe (1830-1848), einen Verwandten des Königshauses, zum König. Er gab sich als „Bürgerkönig", unterstrich seine Volksverbundenheit durch das Tragen bürgerlicher Kleidung und regierte auf dem Boden einer konstitutionellen Verfassung.

In Deutschland reagierte man auf die Ereignisse den Umständen entsprechend: Zu einer gesamtdeutschen Erhebung fehlte der Zusammenhalt ebenso wie der „revolutionäre Wille". Aber die liberale Minderheit in den Einzelstaaten fühlte sich zu revolutionären Aktionen ermutigt. In Braunschweig wurde der absolutistisch regierende Herzog vom Thron gejagt und sein Bruder berufen, der eine neue Verfassung gewährte, in der die Vertretung der bäuerlichen und bürgerlichen Gruppen gegenüber dem Adel verstärkt wurde. In Kurhessen, Sachsen und Hannover wurden ebenfalls neue Verfassungen eingeführt.

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