Eugène Pottier (1816-1887)

Pottier war Sohn eines Kistenmachers. Er arbeitete als Packer, Dekorationsmaler und Stoffmusterzeichner und war erfolgreich als Chansonnier und Verfasser von Liedern. Nach der niedergeschlagenen Revolution von 1848 arbeitete er in Gewerkschaften und war Mitglied der 1. Internationalen. Während der Kommune 1871 wurde er zum Delegierten der Arbeitervereine in den Kommunerat gewählt. Nach dem Scheitern der Pariser Kommune floh er zunächst ins Ausland, kehrte 1880 nach Paris zurück und unterstützte den Aufbau der Arbeiterpartei POF. Pottiers Bekanntheit wird daran deutlich, daß an seinem Begräbnis 5000 Menschen teilnahmen.

Die "Internationale" entstand 1871 zur Zeit der Pariser Kommune. Sie wurde erst etwa 30 Jahre später auch außerhalb Frankreichs bekannt und in viele Sprachen übersetzt.

Der Text ist dem "Bürger Gustave Lefrancais, Mitglied der Kommune" gewidmet, der als Sozialist 1851 Berufsverbot als Lehrer erhalten hatte. Er floh nach der Zerschlagung der Kommune in die Schweiz.

Die Vertonung von Luckhardt erschien 1910 im "Arbeiter-Liederbuch für Massen-Gesang" in Dortmund.

Eugène Pottier/Emil Luckhardt, Die Internationale (1871)

 

Wacht auf, Verdammte dieser Erde,

die stets man noch zum Hungern zwingt!

Das Recht wie Glut im Kraterherde

nun mit Macht zum Durchbruch dringt.

Reinen Tisch macht mit dem Bedränger!

Heer der Sklaven, wache auf!

Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger,

alles zu werden, strömt zuhauf!

Völker hört die Signale!

Auf, zum letzten Gefecht!

Die Internationale erkämpft das Menschenrecht!

Völker, hört die Signale!

Auf, zum letzten Gefecht!

Die Internationale erkämpft das Menschenrecht!

 

Es rettet uns kein höh'res Wesen,

kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun.

Uns aus dem Elend zu erlösen,

können wir nur selber tun!

Leeres Wort: der Armen Rechte!

Leeres Wort: der Reichen Pflicht!

Unmündig nennt man uns und Knechte,

duldet die Schmach nun länger nicht!

Völker hört die Signale!

Auf, zum letzten Gefecht!

Die Internationale erkämpft das Menschenrecht!

Völker, hört die Signale!

Auf, zum letzten Gefecht!

Die Internationale erkämpft das Menschenrecht!

 

In Stadt und Land, ihr Arbeitsleute,

wir sind die stärkste der Partei'n.

Die Müßiggänger schiebt beiseite!

Diese Welt muß unser sein;

unser Blut sei nicht mehr der Raben

und der mächt'gen Geier Fraß!

Erst wenn wir sie vertrieben haben,

dann scheint die Sonn' ohn Unterlaß!

Völker hört die Signale!

Auf, zum letzten Gefecht!

Die Internationale erkämpft das Menschenrecht!

Völker, hört die Signale!

Auf, zum letzten Gefecht!

Die Internationale erkämpft das Menschenrecht!

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