Die Universität Göttingen war 1837 Schauplatz eines Ereignisses, das die liberale öffentliche Meinung zu einem Aufschrei veranlaßte: Im restaurativen Rückenwind der Metternichschen „Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der gesetzlichen Ruhe und Ordnung in Deutschland" wagte es Ernst August von Hannover (1771-1851) im November 1837, die vier Jahre alte Verfassung seines Landes aufzuheben. Sie war ihm zu fortschrittlich. Er stieß auf unerwartet heftigen Widerstand: Sieben Professoren der Göttinger Universität, Männer von hohem wissenschaftlichen Rang, protestierten gegen diesen eindeutigen Verfassungsbruch. Sie erhielten umgehend ihre Entlassung und hatten sich innerhalb von drei Tagen außer Landes zu begeben. Ganz Deutschland kannte am nächsten Morgen ihre Namen. Es waren der Historiker Friedrich Christoph Dahlmann (1785-1860), der Jurist Wilhelm Albrecht (1800-1876), die Sprachforscher und Märchensammler Jacob und Wilhelm Grimm (1785-1863, 1786-1859), der Literaturhistoriker Georg Gervinus (1805-1871), der Physiker Wilhelm Weber (1804-1891) sowie der Orientalist Heinrich Ewald (1863-1875). Der hannoversche Verfassungsbruch und der mutige Protest der „Göttinger Sieben" wurde ein deutsches Ereignis. Das liberale Deutschland solidarisierte sich über die Grenzen hinweg; ein starker Zusammenhalt der Universitäten und die Bildung eines länderübergreifenden „Göttinger Vereins" zur Unterstützung der Entlassenen waren die Folge. Die mutigen Professoren von Göttingen haben die politische Autorität des deutschen Professorentums begründet, die eine so wichtige Voraussetzung für die Bewegung des Jahres 1848 werden sollte und die durch die Erfahrung von 1848 so schnell wieder erschüttert wurde.
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