Wilhelm Schütze, Die Wasserfahrt auf der Spree

Die Häuslichkeit, die Geselligkeit in Familie und Freundeskreis spielt im Biedermeier eine sehr große Rolle und wird zur seelisch-geistigen Grundlage biedermeierlicher Kultur. Man findet sich zusammen, um gemeinsam zu singen und zu musizieren, geht ins Theater, ins Konzert und besucht die Oper, trifft sich zur Diskussion und Konversation im Salon, am Stammtisch oder im Bürgerverein und vergnügt sich im Casino, beim Tanz und auf Redouten. Das Volkslied wird gepflegt, beim Lieblingsgetränk der Zeit, der Bowle (im Winter Punsch), werden Scherzgedichte vorgetragen, Rätsel aufgegeben, Scharaden gespielt, lebende Bilder gestellt. Die Bewirtung ist einfach: Nachmittags gibt es Tee oder Kaffee, abends Bier und für junge Leute Braunbier, für ältere Bitterbier; Wein wird nur selten zu besonders festlichen Gelegenheiten gereicht. Das Miteinandersingen hebt die Stimmung jeder Tischgesellschaft. Man besucht einander ganz spontan in der Alltagskleidung, keine Hausfrau geniert ein unerwarteter Gast.

Bei schönem Wetter fährt man mit Sack und Pack und Picknickkörben aufs Land, spielt im Freien Blinde Kuh, Pfandauslöse, Fangen und in behaglicher Runde dieselben Spiele wie im Zimmer. Vergnügungen wie Schwimmen und Sport sind noch lange tabu, Kahnpartien sehr populär. Zu besonderen Erlebnissen werden Ausflüge an beliebte Orte, zu festlichen Ereignissen oder Volksfesten. Gegen 1830 wird der Kaffeegarten „Zenner" in Treptow bei Berlin zur Geburtsstätte des "Familienkaffeekochens" aus Protest gegen eine Verfügung König Friedrich Wilhelms III. Er untersagt den „wilden" Kaffeewirtschaften vor den Toren, an die Städter Kaffee auszuschenken. So bringen die Ausflügler nun ihren gemahlenen Kaffee mit, und der Wirt verkauft ihnen das heiße Wasser.

Zurück
Hauptseite