Die „Gartenlaube", „Illustrirtes Familienblatt", wird 1853 als wöchentlich erscheinende, illustrierte Unterhaltungszeitschrift von dem Buchhändler und Journalisten Ernst Keil (1816-1878), der das Blatt bis zu seinem Tode auch redaktionell leitet, gegründet.

In einer bürgerlichen Zeit, die von einer nahezu uneingeschränkten Wissenschaftsgläubigkeit und einem überschwenglichen Fortschrittsoptimismus bestimmt ist, ist der Adressat der „Gartenlaube" die Familie. Der bald einsetzende sehr große Erfolg, die 1861 eine Auflage von ca. 100 000 Exemplaren erreicht, beruht auf ihrem an den Bedürfnissen der liberalen bürgerlichen Familie des 19. Jahrhunderts orientierten Redaktionsprogramm: Es reicht von gemütvollen Romanen, Geschichten und Gedichten über praktische Lebenshilfe bis zu aktuellen Reise-, Theater- und Veranstaltungsberichten, wobei gerade im Bereich der Tagesreportagen oft ein kritischer, sozial engagierter Ton auffällt, der andererseits mit dem patriotischen Pathos und dem poetisch-romantisierenden Stil der Illustrationen zusammengeht. Insofern ist die „Gartenlaube" Spiegel des heterogenen Jahrhunderts.

Zu den berühmtesten Autoren der „Gartenlaube" gehören der Lyriker Friedrich Rückert (1788-1866), der Erzähler Paul Heyse (1830-1914), der Zoologe Alfred Brehm (1829-1884), der bekannte Reiseschriftsteller Friedrich Gerstäcker (1816-1872), der dazu beiträgt, die „Gartenlaube" zum Lieblingsblatt der im Ausland lebenden Deutschen zu machen, und die Unterhaltungsschriftstellerin Eugenie Marlitt (eigentlich E. John,1825-1887), deren Bestseller in der G. als Fortsetzungsabdrucke erscheinen. Mit seinen Artikeln Aus den Sprechstunden eines Arztes und seinen Ratschlägen An die Dummen, welche nicht alle werden, ist Prof. Dr. Carl Ernst Bock (1809-1874) sozusagen als »medizinisches Hausfaktotum« vertreten.

1863 wird das Blatt eines ungeschickten Artikels wegen in Preußen verboten. Auf Anraten eines Freundes schreibt Keil an Ministerpräsident Otto von Bismarck und bittet um dessen Fürsprache beim König. Noch auf dem Schlachtfeld von Königgrätz unterstützt Bismarck das Gesuch um Zurücknahme. König Wilhelm willigt ein, und am 9. Juli 1866 ergeht der Befehl zur Wiederfreigabe.

Die "Gartenlaube" gelangt 1884 an den Verlag Adolf Kröner und geht 1904 an den Berliner August Scherl Verlag über. Sie wird seit 1938 unter dem Titel »Die neue Gartenlaube« weitergeführt und erscheint bis 1944, zuletzt allerdings nur noch in monatlicher Folge.

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