Wilhelm I.

Friedrich III.

Wilhelm II.

Am 9. März 1888 starb Wilhelm I., der erste Kaiser des neuen Deutschen Reiches, im Alter von 91 Jahren. Er hatte weitgehend seinen Kanzler Bismarck regieren lassen. Die ungewöhnliche Beziehung zwischen den beiden Männern, die 1862 im Park von Babelsberg begann, hat ein Vierteljahrhundert deutsche Politik bestimmt. Bismarck selbst hatte immer betont, daß er als Kanzler stets vom Monarchen abhängig sei, daß doch der Kaiser „der wahre preußische Minister" sei. Aber Wilhelm I. hatte sich, oft unter Grollen, immer dem Willen Bismarcks gebeugt.

Kronprinz Friedrich Wilhelm , der nun nach Jahren des Wartens endlich mit 57 Jahren die Nachfolge seines Vaters auf den deutschen Kaiserthron als Friedrich III. antreten sollte,

war todkrank. Eine Krebserkrankung des Kehlkopfes war zu spät erkannt worden. Er hatte qualvolle Operationen und widersprechende ärztliche Diagnosen und Therapien, Hoffnung und Verzweiflung seiner unmittelbaren Umgebung, seiner ehrgeizigen Frau, der Tochter der Königin Victoria (1837-1901) von England, ertragen müssen. Nun erreichte ihn in San Remo die Nachricht vom Tode des Kaisers. Als Todkranker machte sich Friedrich III. mit der Eisenbahn auf den Weg nach Deutschland. 99 Tage später, am 15. Juni 1888, starb er in Potsdam. Die Hoffnungen, die viele Deutsche auf den liberal eingestellten Friedrich gesetzt hatten, konnten sich nicht mehr erfüllen. Auf Friedrich III. folgte sein Sohn Wilhelm II. (1888-1918); innerhalb von dreieinhalb Monaten hatte Deutschland nun den dritten Kaiser.

An seinen strengen, alten Erzieher Georg Hinzpeter (1827-1907) telegrafierte Kaiser Wilhelm II. (1888-1918) zwei Tage nach der Entlassung seines Kanzlers Otto von Bismarck (1815-1898): „Das Amt des wachhabenden Offiziers auf dem Staatsschiff ist mir zugefallen. Der Kurs bleibt der alte, und nun Volldampf voraus!" Wilhelm I. (1871-1888) hatte die Machtbefugnisse, die die Reichsverfassung dem deutschen Kaiser zugestand, nie genutzt. Er ließ Bismarck regieren. Wilhelm II. aber drängte ungestüm selbst auf die Kommandobrücke des „Staatsschiffes", ohne staatsmännische Erfahrung und politisches Konzept, ohne Kenntnis der grundlegenden Fakten, welche Innen- und Außenpolitik bestimmten, sowie der politischen Realitäten. Wilhelm II. wurde getragen von der Überzeugung seines Gottesgnadentums: „Daß wir Hohenzollern Unsere Krone vom Himmel nehmen und die darauf beruhenden Pflichten dem Himmel gegenüber zu vertreten haben, von dieser Auffassung bin auch ich beseelt, und nach diesem Prinzip bin ich entschlossen, zu walten und zu regieren."

Keiner von Bismarcks Nachfolgern war stark genug, sich gegen diese persönliche Amtsauffassung, die Wilhelm herrisch, schroff und unbelehrbar vertrat, durchzusetzen. Die Verfassung hatte Wilhelm II. - so behauptete er jedenfalls - nie gelesen.

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