August Borsig (1804-1854) und seine Lokomotivenfabrik, Lithographie anläßlich der Fertigstellung der 500sten Lokomotive 1854

Lokomotivenfabrik Borsig in Berlin

1836 gründete Johann Friedrich August Borsig (1804-1854) in Berlin nahe dem Oranienburger Tor eine Maschinenbauanstalt, besonders für Lokomotiven. Nach dem Tod des Vaters führte der Sohn, August Julius Albert Borsig (1829-1878), die Fabrik weiter und vergrößerte sie. Anläßlich der Fertigstellung der 1000. Lokomotive (Typ "Borussia"), die an die Köln-Mindener-Eisenbahn ausgeliefert wurde, fand am 21. August 1858 eine große Feier mit vielen prominenten Gästen statt, darunter auch Alexander von Humboldt. Die Borsigsche Lokomotivfabrik übersiedelte 1894 nach Tegel und fusionierte 1930 mit AEG in Hennigsdorf. Die Gesamtproduktion belief sich zwischen 1841 und 1945 auf 14.555 Lokomotiven.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in Deutschland die industriellen Grundlagen gelegt. Gegenüber Westeuropa war Deutschland in der Industrialisierung zunächst zurückgeblieben, jedoch wurden bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts auch hier die Grundlagen der industriellen Entwicklung geschaffen. Nach 1850 begann die Durchbruchsphase der Industrialisierung. Die politische Reaktion und die Entwicklung zum sog. Nachtwächterstaat bedeutete nach dem Scheitern der Revolution für die Wirtschaft eine Zeit, welche langfristige Anlageplanungen ermöglichte.  Manche Unternehmer brachten es oft aus kleinsten Anfängen in kürzester Zeit zu ungeahntem Reichtum. Dabei war die Eisenbahn das „Zugpferd" der Industrialisierung. Das rasch anwachsende Streckennetz, die schnellen Transportmöglichkeiten für Rohstoffe und Waren hatten bereits seit 1834 einen einheitlichen deutschen Markt innerhalb der Grenzen des Zollvereins geschaffen. Das gesamte eisenverarbeitende und eisenproduzierende Gewerbe profitierte vom ständig steigenden Bedarf an Lokomotiven, Eisenbahnwaggons und Schienen. Alles, was irgendwie mit Eisenbahnbau im weitesten Sinne zu tun hatte, hatte ausgesorgt. Der Kapitalbedarf dieser Unternehmungen förderte das Bankgeschäft. Neue Banken, neue Aktiengesellschaften entstanden; zwischen 1850 und 1857 nahmen Notenumlauf, Bank-, Depositenbestände und eingezahltes Kapital um das Dreifache zu. Die Industrie veränderte auch das Gesicht der deutschen Landschaft. Fabriken entstanden, Schlote ragten in den Himmel, Städte wuchsen und wurden größer, aber auch elender und schmutziger.

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