Barrikadenkämpfe in Berlin

Jubel der Revolutionäre über den errungenen Sieg

Schon seit Anfang März 1848 wurde die allgemeine Unzufriedenheit auch in Berlin spürbar. Die preußische Hauptstadt war randvoll mit Soldaten, die Anwesenheit des Militärs steigerte die Spannung. Am 14. März ging die Kavallerie erstmals gegen demonstrierende Bürger vor, am 15. März wurden die ersten Barrikaden errichtet. Erste Schüsse fielen. Der 18. März 1848 wurde zum entscheidenden Tag. Eine Menschenmasse hatte sich vor dem Berliner Schloß versammelt, der König trat auf den Balkon. Die erregte Menge nahm an der Massierung der Truppen Anstoß und forderte lautstark den Abzug des Militärs forderte. Friedrich Wilhelm IV. reagierte spontan und heftig, er befahl, „dem Skandal ein Ende zu machen ". Bei der Räumung des Schloßplatzes durch Kavallerie und Infanterie entluden sich einige Schüsse. Die empörte Menge glaubte, der König habe sie verraten. Innerhalb kürzester Zeit entstanden rund tausend Barrikaden in den Straßen Berlins. Es kam zu harten Kämpfen. Etwa 4 000 Aufständischen, schätzte man, standen 14 000 Soldaten gegenüber. Berliner aus allen Schichten der Bevölkerung kämpften Seite an Seite mit verbissener Tapferkeit. Es gab Tote und Verwundete.

Friedrich Wilhelm IV. war von dem Blutvergießen tief erschüttert. Er glaubte, durch persönliches Eingreifen die Lage retten zu können, und verfaßte noch in der Nacht die Proklamation „An meine lieben Berliner". Als ihn dann mehrere Abordnungen bestürmten, gab der immer noch unsichere König den Befehl zum Abzug der Truppen aus Berlin, welches, wie sich Königstreue empörten, damit „schutzlos in der Gewalt der Aufständischen "war. Am 19. März wurden die Leichen der gefallenen Barrikadenkämpfer in den Schloßhof gebracht, und die begleitende Menge erzwang durch lautes Rufen das Erscheinen des Königs auf dem Balkon, wo er sich vor den Toten verneigte. Diese Geste galt vielen als Zeichen der Demütigung und Unterwerfung unter die Revolution. Nun richtete sich der ganze Volkszorn gegen Prinz Wilhelm (geboren 1797), den Bruder des Königs und scharfen Gegner der Forderungen des Volkes. Man hielt ihn für verantwortlich für den Einsatz des Militärs. Das böse Wort vom „Kartätschenprinzen" kam auf. Wilhelm mußte bei Nacht und Nebel fliehen und ging nach England ins Exil. Niemand, am allerwenigsten er selbst, konnte ahnen, daß er 23 Jahre später der hochverehrte erste Kaiser des neugegründeten Deutschen Reiches werden würde.

Am 21. März unternahm Friedrich Wilhelm IV., mit einer schwarz-rot-goldenen Binde angetan und von seinen Ministern, Generälen und den königlichen Prinzen begleitet, einen Umritt durch die Stadt. Am Abend dieses 21. März jedenfalls verkündete Friedrich Wilhelm IV. in einer erneuten Proklamation „An mein Volk und an die deutsche Nation ": „Preußen geht fortan in Deutschland auf. "Einen Tag später wurden unter der Anteilnahme ganz Berlins die 190 in den Kämpfen umgekommenen Zivilisten, darunter fünf Frauen und zwei Kinder, feierlich zu Grabe getragen.

Proklamation Friedrich Wilhelms IV.

 

„An meine lieben Berliner!

Durch mein Einberufungspatent vom heutigen Tage habt Ihr das Pfand der treuen Gesinnung Eures Königs zu Euch und zum gesamten deutschen Vaterland empfangen. Noch war der Jubel, mit dem unzählige treue Herzen mich begrüßt hatten, nicht verhallt, so mischte ein Haufen Ruhestörer aufrührerische und freche Forderungen ein und vergrößerte sich in dem Maße, wie die Wohlgesinnten sich entfernten. Da ihr ungestümes Vordrängen bis ins Portal des Schlosses mit Recht arge Absichten befürchten ließ und Beleidigungen wider meine tapferen und treuen Soldaten ausgestoßen wurden, mußte der Platz durch Kavallerie im Schritt und mit eingesteckter Waffe gesäubert werden, und zwei Gewehre der Infanterie entluden sich von selbst; gottlob ohne irgend jemand zu treffen. Eine Rotte von Bösewichtern, meist aus Fremden bestehend, die sich seit einer Woche, obgleich aufgesucht, doch zu verbergen gewußt hatten, haben diesen Umstand im Sinne ihrer argen Pläne durch augenscheinliche Lüge verdreht und die erhitzten Gemüter von vielen meiner treuen und lieben Berliner mit Rachegedanken um vermeintlich vergossenes Blut erfüllt und sind so die greulichen Urheber von Blutvergießen geworden. Meine Truppen, Eure Brüder und Landsleute, haben erst dann von der Waffe Gebrauch gemacht, als sie durch viele Schüsse aus der Königsstraße dazu gezwungen wurden. Das siegreiche Vordringen der Truppen war die notwendige Folge davon.

An Euch, Einwohner meiner geliebten Vaterstadt, ist es jetzt, größerem Unheil vorzubeugen. Erkennt, Euer König und treuester Freund beschwört Euch darum, bei allem, was Euch heilig ist, den unseligen Irrtum! Kehrt zum Frieden zurück, räumt die Barrikaden, die noch stehen, hinweg, und entsendet an mich Männer, voll des echten alten Berliner Geistes, mit Worten, wie sie sich Eurem König gegenüber geziemen, und ich gebe Euch mein königliches Wort, daß alle Straßen und Plätze sogleich von den Truppen geräumt werden sollen und die militärische Besetzung nur auf die notwendigen Gebäude, des Schlosses, des Zeughauses und weniger anderer, und auch da nur auf kurze Zeit beschränkt werden wird. Hört die väterliche Stimme Eures Königs, Bewohner meines treuen und schönen Berlins, und vergeßt das Geschehene, wie ich es vergessen will und werde in meinem Herzen um der großen Zukunft willen, die unter dem Friedenssegen Gottes für Preußen und durch Preußen für Deutschland anbrechen wird. Eure liebreiche Königin und wahrhaft treue Mutter und Freundin, die sehr leidend daniederliegt, vereint ihre innigen, tränenreichen Bitten mit den Meinigen. Geschrieben in der Nacht vom 18. -19. März 1848.

 

Friedrich Wilhelm."

 

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