Berliner Kongreß 1878

Die Zusammenarbeit zwischen Österreich und Rußland gestaltete sich trotz des Dreikaiserabkommens von 1873 kompliziert. Beide Mächte hatten beide machtpolitische Interessen auf dem Balkan. 1877 erklärte Rußland der Türkei den Krieg, der mit einer so vernichtenden Niederlage der türkischen Armee endete, daß Rußland den Frieden von San Stefano praktisch diktieren konnte. Der Friedensvertrag verletzte jedoch englische und österreichische Interessen empfindlich. England schickte eine Flotte ins Marmarameer, Österreich verlangte von Rußland eine Abänderung des Vertrages. Der große Krieg schien unmittelbar bevorzustehen. In dieser Situation bot sich Bismarck als Vermittler an. Da Deutschland auf dem Balkan keine Interessen verfolgte, konnte er als „ehrlicher Makler" zwischen den Großmächten vermitteln. Die Leitgedanken für seine Verhandlungsstrategie schrieb er in Bad Kissingen nieder, wo er, wie schon so oft, zur Kur war. Russische und englische Interessen sollten erfüllt und ausgeglichen, der europäische Frieden sollte durch die Rivalität der europäischen Mächte gesichert werden, die gerade dadurch sich nicht gegen Deutschland verbünden würden. Bismarcks Ziel war „eine politische Gesamtsituation, in welcher alle Mächte außer Frankreich unserer bedürfen und von Koalitionen gegen uns durch ihre Beziehungen zueinander nach Möglichkeit abgehalten werden ".

Im Juni/Juli 1878 fand der „Berliner Kongreß" statt. Es war die größte und glänzendste diplomatische Versammlung seit dem Wiener Kongreß (1814/1815). Bismarck war ihr Mittelpunkt. Die imposante Erscheinung, sein Talent zur witzig-bissigen Konversation, vor allem aber sein überlegen-kluges Verhandlungsgeschick beherrschten den Kongreß und brachten ihn zum erfolgreichen Abschluß. Zwar konnte Rußland nicht ganz zufriedengestellt werden, weil an den Friedensbedingungen von San Stefano nicht festgehalten worden war. Auch konnten die schwierigen Probleme auf dem Balkan nicht für immer gelöst werden. Aber der Krieg fand nicht statt, und Bismarck ging aus dem Berliner Kongreß als der große Diplomat hervor, auf den Europa blickte.

Zurück
Hauptseite