Auswanderer in die USA vor der Abfahrt in Bremerhaven

Arbeit in einem Eisenwalzwerk (Gemälde von Adolph von Menzel)

Barackensiedlung am Rande von Berlin

Versammlung streikender Arbeiter

Viele Deutsche wanderten in den scheinbar so glänzenden Jahren des Deutschen Kaiserreiches aus. Von 1871 bis 1880 waren es 626 000 Menschen, 1881 bis 1890 sogar 1342 400. Die meisten von ihnen gingen in die Vereinigten Staaten von Amerika. Viele Sozialdemokraten, die unter Bismarcks Verfolgung litten, zogen Konsequenzen und waren darunter. In den Zeitungen häuften sich Abschiedsannoncen wie zum Beispiel folgende aus einem Braunschweiger Blatt vom 12. April 1882: „Bei meiner Abreise nach Chicago sage ich allen meinen Freunden und Bekannten, insbesondere den Mitgliedern des Gesangvereins „Liederhalle", herzliches Lebewohl. "

Viele trieben aber auch die Not, die schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen in Deutschland ins „Land der unbegrenzten Möglichkeiten". Eine Zwischendeckpassage für 120 Mark ab Hamburg oder Bremerhaven war die billigste Chance, der Existenznot und politischen Verfolgung zu entgehen sowie ein neues Leben in Übersee anzufangen. Viele verließen ein Elend, das wir Heutige uns nur schwer vorstellen können. In ländlichen Gebieten entstand oft bittere Not, weil vorher einträgliche Betriebe plötzlich eingingen, wenn die Nachfrage nach ihren Produkten nachließ. In den Großstädten waren die trostlosen Mietskasernenviertel Schauplätze heute kaum vorstellbarer Verhältnisse. Im Jahre 1871 lebten zwei Drittel der Berliner, fast 600 000 Personen, in kleinen Wohnungen mit einer oder höchstens zwei beheizbaren Stuben, wobei durchschnittlich sieben Personen einen Raum bewohnten. Nahezu 120 000 Berliner hausten in Kellerwohnungen, von denen 90 000 so tief lagen, daß sie die Gesundheit unmittelbar gefährdeten. Tuberkulose galt als Alltagskrankheit. Wer die Miete nicht zahlen konnte, wurde rücksichtslos aus der Wohnung gejagt. Es kam zu Massenobdachlosigkeit und wilden Barackensiedlungen vor den Toren Berlins. Die Obdachlosenasyle waren ständig überfüllt. Nur sehr langsam änderte sich diese trostlose Lage vieler im wohlhabend erscheinenden Deutschen Reich.

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