Georg Herwegh

  • geb. 1817 in Stuttgart

  • 1835 Theologiestudium in Tübingen. Ein Jahr später wird er wegen Beleidigung eines 1836 Verweis von dem Stift wegen einer Beleidigungssache

  • 1839 Flucht in die Schweiz vor der Einberufung zum Militärdienst

  • 1841 „Gedichte eines Lebendigen", trotz Verbots ein großer Erfolg

  • 1842 Rückkehr nach Deutschland als gefeierter Dichter (bis 1843 erscheinen 7 Auflagen zu je 1000 bis 6000 Exemplaren),. Audienz beim preußischen König wird zum Eklat, Ausweisung aus Preußen

  • Herwegh erhält das Bürgerrecht der Schweiz

  • 1843 naturwissenschaftliche und meeresbiologische Studien in Paris

  • 1848 Beteiligung am badischen Aufstand als Führer einer Freischärlerlegion, nach dem Scheitern des Aufstands erneute Flucht in die Schweiz

  • 1863 Bevollmächtigter des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins in der Schweiz gest. 1875 in Baden-Baden, beerdigt in Liestal bei Basel

 

Georg Herwegh, Aufruf (1841)

Reißt die Kreuze aus der Erden!

Alle sollen Schwerter werden,

Gott im Himmel wird's verzeihen.

Laßt, o laßt das Verseschweißen!

Auf den Amboß legt das Eisen!

Heiland soll das Eisen sein.

 

Eure Tannen, eure Eichen -

Habt die grünen Fragezeichen

Deutscher Freiheit ihr gewahrt?

Nein, sie soll nicht untergehen!

Doch ihr fröhlich Auferstehen

Kostet eine Höllenfahrt.

 

Deutsche, glaubet euren Sehern,

Unsre Tage werden ehern,

Unsre Zukunft klirrt in Erz;

Schwarzer Tod ist unser Sold nur,

Unser Gold ein Abendgold nur,

Unser Rot ein blutend Herz!

Reißt die Kreuze aus der Erden!

Alle sollen Schwerter werden,

Gott im Himmel wird's verzeihn.

Hört er unsre Feuer brausen

Und sein heilig Eisen sausen,

Spricht er wohl den Segen drein.

 

Vor der Freiheit sei kein Frieden,

Sei dem Mann kein Weib beschieden

Und kein golden Korn dem Feld;

Vor der Freiheit, vor dem Siege

Seh kein Säugling aus der Wiege

Frohen Blickes in die Welt!

 

In den Städten sei nur Trauern,

Bis die Freiheit von den Mauern

Schwingt die Fahnen in das Land;

Bis du, Rhein, durch f r e i e Bogen

Donnerst, laß die letzten Wogen

Fluchend knirschen in den Sand.

Reißt die Kreuze aus der Erden!

Alle sollen Schwerter werden,

Gott im Himmel wird's verzeihn.

Gen Tyrannen und Philister!

Auch das Schwert hat seine Priester,

Und wir wollen Priester sein!

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