Ferdinand Lassalle

Fahne des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins

An der Spitze der deutschen Arbeiterbewegung stand Ferdinand Lassalle (1825-1864). Er gab der Bewegung in Deutschland entscheidende Impulse und wurde zum Mitbegründer der Sozialdemokratie. Auch Lassalle war außerhalb Deutschlands, in Paris, mit den sozialistischen Ideen bekannt geworden, hatte mit Marx in der Neuen Rheinischen Zeitung zusammengearbeitet und einen radikal-demokratischen Standpunkt vertreten. Seine Stellungnahme zur Arbeiterfrage brachte ihn in Kontakt mit den deutschen Arbeitervereinen. Lassalle sah nur in der Mobilisierung der breiten Massen eine Chance für Änderungen im Sinne des sozialen Fortschritts. Ein Komitee in Leipzig forderte ihn auf, ein Programm für einen allgemeinen deutschen Arbeiterkongreß zu entwerfen. Mit diesem Programm wurde in Leipzig der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein gegründet (Mai 1863). Lassalle war sein erster Präsident. Die erste deutsche Arbeiter-Partei war somit ins Leben gerufen. Ihr vorrangiges Ziel: die Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts. Mit diesem Wahlrecht wollte die Arbeiterschaft ihren Platz im Staat sowie ihre politische Stellung in der Gesellschaft erobern.

Lassalle war zwar Marx' Schüler, aber er war kein radikaler Anhänger der Politik des Klassenkampfes. Er wollte den Staat nicht beseitigen, sondern ihn in einen sozialen Reformstaat umwandeln. Die Arbeiterschaft sollte die Macht im Staat als legale Partei erringen und diesen zwingen, sie anzuerkennen. Unter diesem Vorzeichen war für Lassalle sogar ein „soziales Königtum" vorstellbar. Selbst eine Zusammenarbeit des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins mit Bismarck schien somit möglich. Tatsächlich kam es 1863/64 zu streng geheimen Verhandlungen zwischen dem konservativen Ministerpräsidenten Preußens und dem Arbeiterführer. Aber Lassalles „Staatssozialismus" war bei den meisten Arbeitervereinen unpopulär. Sein diktatorischer, arroganter Führungsstil machte ihn bei vielen unbeliebt. Dazu gab sein Privatleben, seine Leidenschaft für schöne Frauen, Anlaß zu Klatsch und Kritik. Seine Liebesbeziehung zu der jungen Helene von Doeniges wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Er starb im Sommer 1864 in einem Wäldchen bei Genf einen sinnlosen frühen Tod bei einem Pistolenduell mit dem Verlobten dieser Helene. Die deutsche Arbeiterbewegung hatte ihren ersten bedeutenden Führer verloren. Aber Lassalles glänzende Rednergabe, seine aufsehenerregenden Auftritte bei Vortragsreisen und vor Gericht hatten die soziale Frage auf eine neue Ebene des politischen und sozialen Bewußtseins gehoben.

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