Gesandte europäischer Staaten auf dem Wiener Kongreß: der preußische Minister von Hardenberg (am linken Bildrand sitzend), der österreichische Staatsminister Fürst Metternich (vor seinem Stuhl stehend), der englische Außenminister Castlereagh (sitzend, Bildmitte), der französische Außenminister Talleyrand (rechts am Tisch sitzend), der preußische Minister Wilhelm von Humboldt (stehend, 2. von re.)

Die Sieger wählten Wien zum Schauplatz der Verhandlungen. Die österreichische Hauptstadt, zweimal vom Feind besetzt und gedemütigt, wurde nun zur glanzvollen Kulisse. Das alte Europa gab sich ein Stelldichein, und der österreichische Kaiser Franz I. (1804-1835) versuchte, seinen Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Die Wiener Gesellschaft mit ihrem pulsierenden Leben wurde gewissermaßen selbst ein Teil des Kongresses. Bälle, Konzerte, Theatervorstellungen, Jagden und Schlittenfahrten hielten Monarchen und Diplomaten in Atem. „Der Kongreß tanzte", aber der gesellschaftliche Trubel trug auch viel zur Entschärfung politischer Spannungen bei, während hinter den Kulissen zäh und ernsthaft verhandelt wurde. Unter dem Vorsitz des österreichischen Außenministers Fürst Klemens von Metternich (1773-1859) verfolgten die Kongreßteilnehmer ihr Ziel: die Wiederherstellung - Restauration« - des alten vorrevolutionären Staatensystems in Europa. Das Gleichgewicht souveräner Staaten nach dem Muster des Westfälischen Friedens von 1648 sollte wiederhergestellt werden. Die alte aristokratische Gesellschaft bestimmte nun wieder die politische Welt, als hätte es auch keine Französische Revolution, als hätte es keine Bewährungsprobe des Volkes in den Freiheitskriegen gegeben.

Nach Abschluß des Wiener Kongresses war die europäische Staatenwelt, die Napoleon so nachhaltig durcheinandergewürfelt hatte, wieder im vorrevolutionären Gleichgewicht. Es ruhte auf fünf stabilen Säulen, den Großmächten Rußland, England, Frankreich, Österreich und Preußen. Das besiegte Frankreich blieb, dank der geschickten Verhandlungsführung seines Vertreters Talleyrant (1754-1838), als Großmacht erhalten, und zwar im Besitzstand von 1792. England gewann wichtige Stützpunkte (Helgoland, Malta, das Kapland und Ceylon) und festigte seine Stellung als führende Seemacht. Rußland bekam „Kongreßpolen" und gewann verstärkten Einfluss auf die europäische Politik. Preußen erhielt Westfalen und die Rheinprovinzen und übernahm damit die „Wacht am Rhein" gegenüber Frankreich. Österreich verzichtete auf Belgien und Vorderösterreich zugunsten einer Gebietsabrundung in Galizien und Oberitalien. Die Habsburger Monarchie wuchs als „Vielvölkerstaat" aus Deutschland heraus.

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