Viele deutsche Patrioten hatten gehofft daß sich aus dem gemeinsamen Krieg gegen Napoleon eine Einigung, wenigstens ein fester Bund deutscher Staaten, ergeben würde. Aber die Antwort auf die „deutsche Frage ", die der Wiener Kongreß gab - die Gründung des „Deutschen Bundes"- war unbefriedigend. Sie war auch eigentlich eine Antwort Metternichs, der in dem „Deutschen Bund" von 1815 seine Vorstellungen verwirklichte: Sicherung der Großmachtstellung Österreichs in einem lockeren Bund unabhängiger deutscher Staaten. 37 Fürsten und vier Städte verbanden sich „zur Erhaltung der inneren und äußeren Sicherheit Deutschlands ". Einziges Organ dieses Deutschen Bundes war der Bundestag in Frankfurt, ein ständiger Gesandtenkongreß, in dem Österreich den Vorsitz führte. Dieser Bundeszusammenschluß hatte erhebliche Schwächen: Er konnte beraten und beschließen, aber nicht handeln, und er funktionierte nur, solange sich Preußen und Österreich einig waren. Beide aber gehörten dem Bund nur mit einem Teil, dem ehemaligen Reichsgebiet, an. Andererseits waren aber drei ausländische Könige Mitglied: der englische König für Hannover, der dänische für Holstein und der holländische König für Luxemburg. Damit war der Weg zum einheitlichen Nationalstaat durch den Deutschen Bund selbst verbaut.

Die Bundesakte gab in Artikel 13 das Versprechen, dass die Mitgliedsstaaten Verfassungen erhalten sollten. Nassau und Sachsen-Weimar lösten es ein, später auch Bayern, Baden und Württemberg. Aber die Mehrzahl der deutschen Landesherren wollte nach 26 turbulenten Jahren nur noch Ruhe, Stabilität. Rückkehr zur „guten alten Zeit", nicht ein Volk, das mitregierte, sondern brave, zufriedene „Landeskinder" unter einem spätabsolutistisch regierenden „Landesvater" von „Gottes Gnaden". Für die deutschen Patrioten, allen voran die akademische Jugend, gab es nun ein bitteres Erwachen. Leidenschaftlich hatten sie für die Befreiung gekämpft und ihre eigenen Kräfte dabei entdeckt. Die Deutschen, die die Lasten der Freiheitskriege getragen hatten. fühlten sich um ihren Einsatz betrogen. Die Enttäuschung drängte viele in die Resignation, zur Abkehr vom politischen Engagement, man zog sich in die private Idylle am »häuslichen Herd« zurück. Die Biedermeierzeit nahm hier ihren Anfang.

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